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Unsere letzte Station bringt Ihnen die "Verona-Diele" und die lesbische Zeitschrift "Die Freundin" näher.

Haupterzähler:
Station 12, "Verona Diele" und „Die Freundin“

Hier befand sich die „Verona-Diele“, ein Treff lesbischer Frauen. Die lesbische Zeitung „Die Freundin“ wird hier exemplarisch vorgestellt.   

Zitat:
„Frauen aufgepasst!

Im Entwurf des neuen Strafgesetzbuches werden, wie uns bekanntgegeben wird, auch die Frauen unter dem ominösen § 175, der im neuen Entwurf als § 325 bedeutend verschärft worden ist, unter Strafe gestellt. Es heißt in demselben u.a.: „daß die widernatürliche Unzucht zwischen Personen gleichen Geschlechts bestraft wird.“

Frauen schließt Euch noch mehr zusammen! Organisiert Euch im „Bund für Menschenrecht“, E.V. Der Bund ist die größte Organisation der Gleichgeschlechtlichliebenden. Es ist daher Pflicht, jetzt vor allem der Frauen, sich im Bund für Menschenrecht zu organisieren, damit der Bund mit aller Energie gegen das Unrecht, das im Gesetzentwurf begangen wird, Front machen kann.

Nur eine Massenorganisation, gestützt auf die Wissenschaft, ist dazu in der Lage. Unterstützt den Bund in seiner Arbeit, denkt an die Kampffondspende! Spenden werden dankbar entgegengenommen, auch die kleinste Spende ist willkommen!“

Haupterzähler:
Dies ist ein Auszug eines Artikels aus einer Ausgabe der Lesbenzeitschrift „Die Freundin“ vom Januar 1925. Sie war eine von drei Zeitschriften des „Bundes für Menschenrechte“ einer Homosexuellenvereinigung mit Frauenabteilung, die seit 1924 erschien. Neben dem „Wissenschaftlich humanitären Komitee“ und der „Gemeinschaft der Eigenen“ war der „Bund für Menschenrechte“ die dritte Organisation für Schwule und Lesben in der Weimarer Republik.

Der hohe Organisierungsgrad der schwul-lesbischen Szene der 1920er Jahre in den drei großen Verbänden mit zahlreichen Unterorganisationen verdeutlicht deren politischen Kampfwillen. Trotz sehr unterschiedlicher kultureller und politischer Vorgehensweisen war das gemeinsame Ziel der Kampf gegen den § 175:

Gericht:
„Die widernatürliche Unzucht, welche zwischen Personen männlichen Geschlechts oder von Menschen mit Tieren begangen wird, ist mit Gefängnis zu bestrafen.“

Haupterzähler:
In der Ausgabe der "Freundin" vom Februar 1927 findet sich eine Stellungnahme zu den Erpressungen rund um Prostitution und gegen den § 175.

Zitat:
„Nach den uns bekannt gewordenen statistischen Ermittlungen sind im Jahre 1925 mehr als 2000 Erpressungen in allen Städten Deutschlands zur Kenntnis der Polizeibehörde gelangt. Ein Rekord, in dem uns wohl kein anderes Land schlagen wird – und ein Segen des §175.“

Haupterzähler:
"Die Freundin" brachte neben fortlaufenden Erzählungen, die dreiviertel des Umfanges ausmachten, kleine Meldungen, kurze redaktionelle Artikel, Gedichte sowie gewerbliche und private Kleinanzeigen rund um das homosexuelle Leben.

Zitat:
„Der beliebteste Aufenthalt für Damen ist und bleibt die Verona Diele. Kleiststraße 36. Täglich der große Betrieb. Billigste Preise.“

Zitat:
Verona Diele:
Wissen Sie schon wo es gemütlich ist?
Nur in der Verona-Diele, Kleiststraße 36
Der Lieblingsaufenthalt aller Freundinnen

Zitat:
„Es gibt zwei Arten von homosexuellen Frauen. Die virile – das ist die männliche – und die feminine – das ist die weibliche – Frau.

Und wenn sich nun eine virile Frau mit einer femininen zusammenschließt, um gemeinsam den Lebensweg zu beschreiten, ist es nicht viel mehr hochzuachten, als wenn sich eine dieser Frauen einem Mann zu eigen gibt, um mit ihm eine unglückliche Ehe zu führen, nur um fürs Leben versorgt zu sein?“

Haupterzähler:
Der Text über die virile und feminine Lesbe erschien in der ersten Ausgabe „Der Freundin“ und war als Diskussion mit den Leserinnen vorgesehen und in den folgenden Ausgaben wurden Zuschriften dazu veröffentlicht. Eine sei hier exemplarisch ausgewählt:

Zitat:
„Im Kampf um die Gestaltung des Eigenlebens nach eigenem Recht brauchen wir Bundesgenossen. Der einzelne schafft es nicht. Denn die Vorurteile gegen alle, die nicht „normal“ empfinden, sitzen auch in der modernen Gesellschaft und in der öffentlichen Meinung unserer Tage noch immer unsagbar fest. Die Ursaschen dieser Vorurteile sind mannigfach. Einmal hat eine fast zweitausendjährige, aus dem Christentum gewachsene Kultur die “Liebe“ als eine nicht-sinnliche, überirdische Kraft hingestellt, die Sinnlichkeit und die Erfüllung sexueller Bedürfnisse aber nur denjenigen erlaubt, die damit gleichzeitig den „Zweck“ erfüllten, Kinder in die Welt zu setzen. So etwas können aber nur immer ein Mann und ein Weib tun. Die andere Ursache liegt darin, dass die „anderen“, d.h. die der Zahl nach zweifellos überlegenen, in naiver Brutalität das Recht des Stärkeren ausüben und von sich aus bestimmen, was „normal“ ist.“

Haupterzähler:
Hören Sie nun zum Abschluss das Lied "Bubi, lass uns Freunde sein" von Erwin Neuber und Bruno Balz.

Liedtext:
Bubi lass uns Freunde sein
Hör nicht drauf was fremde Leute sagen;
Lass sie reden, ich schweig still.
Kann ja küssen wen ich will
Komm, wir werd’n uns schon vertragen
Bubi, lass uns Freunde sein.
Laß dein Herz an meinem Herzen schlagen
Wenn du mein bist und ich dein
Lacht die Welt im Sonnenschein
Denn der Freund hilft alles Leid ertragen!

Haupterzähler:
Nach diesem Lied von Erwin Neuber und Bruno Balz endet an dieser Stelle unser Spaziergang durch Schöneberg.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen einen angenehmen Tag.