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Im Februar 1931 eröffnete Susi Wanowski in der Schöneberger Kalkreuthstraße 11 den „Club Monbijou“.

Haupterzähler:
Im Februar 1931 eröffnete Susi Wanowski in der Schöneberger Kalkreuthstraße elf den „Club Monbijou“. Dies war ein reiner Frauenclub. Das vollmundig selbsternannte „originellste Frauenlokal Berlins“ wurde nach einem Jahr in „Jolly Joker“ umgetauft.

Das Clublokal befand sich an der Kreuzung mit der Martin-Luther und der heutigen Lietzenburger Strasse. Von der ursprünglichen Kreuzung der Martin-Luther mit der damaligen Wormserstrasse ist nichts mehr zu sehen. Sie hören nun Impressionen über die Lesbenvereinigung „Klub Monbijou des Westens“.

Ruth Roellig:
Die weitaus interessanteste Vereinigung lesbischer Frauen Berlins ist der ungefähr 600 Mitglieder fassende „Klub Monbijou des Westens“, eine streng geschlossene Gesellschaft, in die man nur durch Einführung hineingelangen kann. Das Klublokal befindet sich, von zwei intelligenten Freundinnen, Mali und Igel, die eine ein vollendeter Garconnetyp, fein und bewußt, die andere mehr übermütiger Gamin – geschickt geleitet, im vornehmen Westen Berlins, an der Ecke der stillen Wormser- und Lutherstraße.

Haupterzähler:
Mali und Igel stand als Clubbezeichnung über dem Eingang. Es waren die Spitznamen von Amalie Rothaug (1890-1984) und Else Conrad (1887-1963).

Ruth Roellig:
Die großen Fenster sind nach außen hin fest verhängt, man ahnt hinter ihren dunklen Mauern kaum die sanfte trauliche Heimlichkeit jener kleinen Räume, die Abend für Abend erfüllt sind von eleganten Frauen. An den Wänden hier und da einige forsche Zeichnungen der Art der Besucherinnen angepaßt, zwei schöne, nackte Mädchengestalten, die verträumt einander im Schoß liegen – Frauen, die rauchend in Sessel geschmiegt sind oder tanzende Paare und ähnliches – und Bildnisse einiger großer Künstlerinnen, die „dazu“ gehören.

Hier verkehrt die Elite der intellektuellen Welt der lesbischen Frauen, Filmstars, Sängerinnen, Schauspielerinnen, überhaupt die künstlerisch schaffende und die wissenschaftlich arbeitende Frau.

Alles ist auf die gesellschaftliche Note gestimmt im „Monbijou“, jeder Gast wird persönlich begrüßt. Man kennt sich untereinander, weiß, an welchen Tagen diese oder jene bestimmt anzutreffen ist, und hat immer Gelegenheit, die geschmeidige Eleganz einer vornehmen Art von Frauen zu bewundern, die sich im Tanz wiegen. Denn natürlich wird auch hier zu den Klängen eines Klaviers getanzt, wenn auch das Plaudern das Wichtigere ist.

Zuweilen gibt es ein sentimentales Lied, gesungen zu vorgerückter Stunde von irgendeinem Operettenstar, oder eine junge, interessante Russin ist in der Stimmung, einen heimatlichen Tanz aufzuführen – irgend etwas besonderes gibt es stets. Die Sonnabende bringen gewöhnlich eine Fülle an Besucherinnen. Spät kommen sie, oft nach Erledigung privater Pflichtgesellschaften. Man empfindet genau, dass man unter Menschen von Erziehung ist, die aus der Öde ihrer Alltäglichkeit in die durchduftende, geist- und witzerfüllte Atmosphäre Gleichgesinnter flüchten, um einmal unter sich zu sein und frei aufatmen zu können. Denn gerade die gesellschaftlich verpflichtete Frau hat es auch heutzutage noch am schwersten, die Bürde ihres Andersfühlens mit Geschick zu tragen, ohne sich zu kompromittieren.

In jedem Jahr finden neben den internen Klubfesten zwei große Bälle, Kostümfeste statt, über die auch die hin und wieder die Tagespresse berichtet. Auch diese Veranstaltungen sind nur für Mitglieder und deren eingeführte Gäste bestimmt und streng geschlossen. Sehr oft wird von verschiedenen Seiten der Versuch unternommen, trotzdem Zutritt zu erlangen, doch stets mit negativem Erfolg. Dabei würde es sich auch für jeden Schaulustigen lohnen, ein solches Fest unter Frauen mitzuerleben.

Haupterzähler:
Gehen Sie nun die Kalkreuthstraße entlang bis zur Ecke Kleiststraße.