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Angebote Station 10: Fußball. Ein Spiel - für alle

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Angebote Station 10: Fußball. Ein Spiel - für alle
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In dieser Station geht es um Fußball und diejenigen, die sich das Mitspielen erst erkämpfen müssen.

Du befindest Dich jetzt im Tiergarten, der zweitgrößten Parkanlage Berlins. Quer durch den Tiergarten verläuft die Straße des 17. Juni: Hier befand sich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 die so genannte Fanmeile: sechs Wochen lang war die sechsspurige Verkehrsader für Autos gesperrt. Stattdessen übertrugen zahlreiche Großleinwände alle relevanten Spiele. Die Bilder friedlich miteinander feiernden Fans aus aller Herren Länder gingen um die Welt.

Spätestens seit diesem Ereignis gilt Fußball in Deutschland als gemeinschaftsstiftendes Großevent und wird entsprechend vermarktet. Doch auch hier werden Menschen systematisch ausgegrenzt und diskriminiert. Fußball – das ist für zahlreiche Anhänger und Anhängerinnen dieses Sports nach wie vor nur etwas für „echte Männer“. Schwule oder gar Frauen, so heißt es oft, könnten gar kein Fußball spielen.

Hier, auf einer Wiese im Tiergarten, trafen sich 1988 einige Männer, um diesem Vorurteil entschlossen entgegenzutreten. Sie gründeten einen der ersten deutschen Fußballvereine für homosexuelle Männer: den Fußballklub Vorspiel Berlin.

Zitat:
„Gerade die Gründung eines schwulen Fußballvereins war uns damals wichtig“,

erzählt Rainer Geene, einer der Gründer von Vorspiel, auch wenn es anfangs vor allem um das  soziale Miteinander und nicht um Leistungssport ging

Zitat:
„Aber Fußball galt eben immer als Sport, für den sich schwule Männer nicht interessieren.“

Schwulsein wird oft mit körperlicher Schwäche gleichgesetzt. Oder aber den Spielern wird vorgeworfen, ihnen ginge es gar nicht um das Spiel, sondern vielmehr um den körperlichen Kontakt mit anderen Spielern, wie auch Rainer Geene berichtet. So wurde 1993 richterlich beschlossen, dass Vorspiel nicht durch Verbände aufgenommen werden muss, da dieser Name deutlich mache, dass es den Mitgliedern des Vereins eigentlich um sexuelle Handlungen gehe.

Zwar hat sich seit dieser Zeit schon einiges verändert. Vorspiel hat sich mittlerweile die Aufnahme in zahlreiche nationale und internationale Verbände erkämpft, und nimmt regelmäßig an Wettkämpfen für homosexuelle Fußballer_innen teil. Das Thema Homosexualität ist im männlichen Profifußball aber nach wie vor ein Tabuthema.

Frauenfußball hingegen gilt als typische Lesben-Sportart. Zudem werden Fußballerinnen in Ihrem Können häufig nicht Ernst genommen, berichten auch Conny Kempe-Schälicke und Tanja Walther-Ahrens. Die beiden sind Spielerinnen von Seitenwechsel,  einem Berliner Sportverein für Frauen/Lesben, Trans* und Mädchen, der seit 1998 auch eine Fußballsektion besitzt und damit bundesweit zu den Vorreitern im lesbischen Fußball gehört.

Doch warum spielt ausgerechnet im Fußball das angeblich „richtige“ Geschlecht so eine große Rolle?

Historisch jedenfalls war Fußball lange Zeit ein Spiel, an dem alle teilnehmen konnten, ja sogar sollten. Erst im 19. Jahrhundert wurde Fußball zu einer Sportart, bei der junge Männer als typisch männlich geltende Tugenden wie Teamgeist, Ehrgeiz und Schnelligkeit erlernen sollten. Mädchen und junge Frauen hingegen wurden vom Spiel ausgeschlossen, da sie, so lautete das Argument, über das Spiel ihre Mutterpflichten ganz und gar vergessen würden.

Dies wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sogar institutionell verankert. So beschloss der Deutsche Fußballbund im Jahr 1955:

Zitat:
„(...) unseren Vereinen nicht zu gestatten, Damenfußball-Abteilungen zu gründen oder Damenfußball-Abteilungen bei sich aufzunehmen, unseren Vereinen zu verbieten, soweit sie im Besitz eigener Plätze sind, diese für Damenfußballspiele zur Verfügung zu stellen, unseren Schieds- und Linienrichtern zu untersagen, Damenfußballspiele zu leiten.“

Der weibliche Körper sei für diesen Sport einfach nicht gemacht, zudem verletze die Zurschaustellung des Körpers Schicklichkeit und Anstand, lautete die Begründung.

Auch wenn der DFB das Verbot 1970 wieder aufhob, ist die Auffassung, Fußball sei nichts für Frauen noch immer weit verbreitet. Genau wie die Ablehnung homosexueller Spieler wird aus einer sexistischen Sichtweise argumentiert. Fußballspielerinnen gelten dann häufig nicht als „richtige“ Frauen.

Folge dem Weg zu Deiner Linken, gehe am Goethe-Denkmal vorbei zu dem großen grauen Granitblock. Dort kannst Du Dir unsere nächste Station anhören.