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Diese Station beschäftigt sich mit Geschlechtertrennung in öffentlichen Toiletten.

Bestimmt kennst Du die Situation: Du bist draußen unterwegs, im Schwimmbad, einfach nur in Gedanken vertieft oder läufst gerade einen Stadtspaziergang ab bis Dich ganz langsam das Gefühl überkommt, dass es mal wieder so weit ist: Die Natur ruft.

Eine öffentliche Toilette, wie diese hier auf dem Alexanderplatz, ist die ersehnte Rettung. Dem Symbol folgend, wählst Du die linke oder rechte Tür. Ob groß oder klein, wir alle sind wohl froh, wenn wir unsere manchmal lange und quälende Suche nach dem stillen Örtchen beendet und Erleichterung gefunden haben.

Doch ganz so leicht ist die Sache mit dem Geschäft für einige Menschen auch wieder nicht. Zur Qual der Suche nach einer Toilette gesellt sich nämlich die Qual der Wahl nach der für sie passenden Örtlichkeit. Davon betroffen sind zum Beispiel intersexuelle Menschen. Ihr biologisches Geschlecht weist sowohl Merkmale weiblicher als auch männlicher Geschlechtsorgane auf. Sie stehen damit „zwischen“ den Einteilungen „männlich“ und „weiblich“.

Doch wer nimmt diese Einteilungen vor?

Unsere Gesellschaft bedient sich festgesetzter biologischer und sozialer Kategorien, wenn es darum geht, Menschen ein biologisches Geschlecht zuzuweisen. Auch transsexuelle Menschen kennen das Problem. Ihr biologisches Geschlecht kann zwar „männlich“ oder „weiblich“ sein, doch diese Zuordnung ist für sie möglicherweise fremd. Sie fühlen sich „jenseits“ ihres biologischen Geschlechts und einem anders definierten, sozialen Geschlecht zugehörig. 

Für sie ist der Gang zur Toilette in der Regel nicht barrierefrei oder komplikationslos und stellt eine große Hürde in ihrem Alltag dar. Sie müssen sich bei jedem Gang zur Toilette entscheiden: Füge ich mich gesellschaftlichen Erwartungen an mein „sichtbares“ Geschlecht? Gehe ich auf die Frauentoilette, auch wenn ich mich eigentlich als Mann fühle? Wenn ich das nicht tue, setze ich mich vielleicht dem Risiko aus, diskriminiert oder verletzt zu werden. Denn immer wieder kommt es in öffentlichen Toilettenanlagen zu Gewalt gegen trans- und intersexuelle Menschen.

Eine Lösung könnten „Unisex-Toiletten“ sein. Das sind Toiletten für ganz  unterschiedliche, ja alle Geschlechter. Zwischen „Männern“, „Frauen“ und anderen sozialen wie biologischen Geschlechtern wird auf diesen Toiletten nicht mehr unterschieden. Sie könnten vielleicht nicht nur dabei helfen, Gewalt zu verhindern, sondern auch Barrieren und Hürden für Menschen im Alltag abzubauen. Sie wären dabei auch ein sichtbarer Raum von Toleranz und Vielfalt. Sie wären auch ein Schritt, um jede Form der Diskriminierung und  Benachteiligung von Menschen zu beenden, wie es die UNO bereits seit 1979 fordert. 

Ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg vom Februar 2013 lässt daher aufhorchen: An allen öffentlichen Gebäuden im Bezirk sind geschlechtsneutrale Unisex-Toiletten zu installieren. Ein Beschluss der hoffen lässt, dass die Qual der Wahl nach dem passenden Örtchen in Zukunft hoffentlich etwas leichter fällt.

Begib Dich in Richtung Galeria Kaufhof. Auf der linken Seite gibt es auch ein Geschäft der Modekette C&A. Halte dort kurz und höre Dir unsere nächste Station an.