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Angebote Station 3: Homosexuelle Subkultur in den 1920ern (Unter den Linden/ Friedrichstraße)

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Angebote Station 3: Homosexuelle Subkultur in den 1920ern (Unter den Linden/ Friedrichstraße)
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In der Weimarer Republik entstand eine homosexuelle Subkultur, es existierten Treffpunkte in der Gegend um die Friedrichstraße.

Mit der Weimarer Republik entstanden neue Möglichkeiten zur Entfaltung der homosexuellen Subkultur. Kunst und Kultur florierten. Vor allem in Großstädten wie Berlin war ein selbstbestimmtes Leben weitgehend möglich. In verschiedenen Vierteln der Stadt eröffneten Kneipen, Clubs und Varietés für Schwule, Lesben, Transvestitinnen und Transvestiten. In den Lokalen konnte man sich mit der Szene vernetzen und sich mit Gleichgesinnten austauschen.

Diese Treffpunkte existierten in der Gegend um den Nollendorfplatz, aber auch an der Friedrichstraße: Ein buntes Nachtleben fand hier im Marien-Kasino oder im Nachtlokal „Faun“ statt. Variéte-Künstlerinnen und Künstler traten im „Wintergarten“ auf. Wie heute tummelten sich in der Friedrichstraße Passantinnen und Passanten und Geschäftsleute. Das Einkaufszentrum „Passage“ wurde nachts zum Ort männlicher Prostitution. Bis 1933 existierten in Berlin mehr als 100 schwule und lesbische Lokalitäten.

Zahlreiche Clubs und Bars waren immer wieder Polizei-Razzien ausgesetzt. Zudem mussten Lokale aufgrund der aufkommenden Wirtschaftskrise schließen.

An der Friedrichstraße konnte man Zeitschriften für Homosexuelle am Kiosk erwerben:

Männer mit verwitterten, schiefgedrückten Hüten drücken dem Dahinschlendernden kleine Zettel in die Hand mit der Ankündigung obskurer Lokale. Zeitungen, Skandalbroschüren und erotische Zeitschriften werden ausgerufen.

…so der Schriftsteller Curt Moreck.

Die Zeitschriften für eine homosexuelle Leserschaft wurden von verschiedenen Vereinen herausgeben. Besonders bekannt waren dabei die Schriften des 1923 gegründeten „Bund für Menschenrechte“. Dazu gehörten beispielsweise „Die Freundin“ oder „Die Insel“. Gedichte und Fortsetzungsromane mit homosexuellen Protagonistinnen und Protagonisten wurden darin ebenso veröffentlicht wie Artikel zu aktuellen Themen aus Sexualwissenschaft und Politik. Dadurch boten sie eine Möglichkeit zum Gedankenaustausch - z.B. durch Leserbriefe.

Zahlreiche Anzeigen wiesen auf Freizeitveranstaltungen und Partnergesuche hin:

  • Dame, 26, evangelisch, ersehnt Gedankenaustausch mit gebildeter Dame
  • Herr erster Kreise, Berlin, unauffällig als Frau lebend, sucht Gedankenaustausch mit verständnisvoller, gebildeter Dame
  • 25-jähriger, Theater- und Wanderfreund sucht Partner
  • Transvestit durch seine Veranlagung in Not geraten, bittet Edeldenkende um finanzielle Unterstützung.
  • Tänzerin, jung 1,60 groß sucht Partnerin zur Weiterbildung zwecks öffentlichen Auftretens
  • Akt Photos. Näheres bei Einsendung von 50 Pf. in Briefmarken
  • Akademisch gebildeter Transvestit, offiziell als Dame lebend, ersehnt Gedankenaustausch.
  • Moderndenkendes Ehepaar sucht Anschluss an Dame oder gleichgesinntes Ehepaar, nicht über 30 Jahre.
  • Zwei Freundinnen, 50 Jahre, suchen herzensgute männliche Freundin, 40-50 Jahre.“