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Angebote Station 3: Mit Vollbart und Strapsen zu C&A

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Angebote Station 3: Mit Vollbart und Strapsen zu C&A
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Hören Sie hier etwas zu Mode und Geschlechterrollen.

Hier auf dem Alexanderplatz begegnen Dir viele unterschiedliche Menschen. Wenn Du jemanden auf der Straße siehst, kannst Du in den meisten Fällen in kürzester Zeit entscheiden, ob Du die Person als männlich oder weiblich einordnen würdest. Woran liegt das?

In unserer Gesellschaft existieren Kleidercodes, die eine Zugehörigkeit zu einem der Geschlechter signalisieren. Es können kleine Abweichungen in den Klamotten sein, die dazu führen, dass wir die Person eher als weiblich oder männlich einordnen. Der Unterschied kann in der Enge der Hose oder im Schnitt des T-Shirts verborgen liegen.

Was in der Gesellschaft als weibliche und was als männliche Kleidungsstücke angesehen werden, hat sich im letzten Jahrhundert sehr verändert. Die Hose wird heute nicht mehr als typisch männliches Kleidungsstück verstanden und Ohrringe und Taschen sind nicht mehr ausschließlich feminine Accessoires.

Doch wer bestimmt eigentlich, was weibliche und was männliche Kleidung ist? Warum steht beispielsweise hellblau für Jungs und rosa für Mädchen?

Was als weibliche und was als männliche Kleidung angesehen wird, ist in den verschiedenen Regionen dieser Welt ganz unterschiedlich. Dabei spielen auch die Traditionen des jeweiligen Kulturkreises eine wichtige Rolle. So wurden kleine Jungs in Europa vor etwa 100 Jahren hauptsächlich in rosa gekleidet, weil Rot, als die Farbe des Kampfes und des Blutes, als „männlich“ galt. Hellblau hingegen, als das „kleine Blau“, wurde mit der Jungfrau Maria verknüpft, stand für „Reinheit“ und wurde deshalb den Mädchen zugewiesen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Marine und damit die blauen Marine-Uniformen sehr populär wurden, änderte sich dies und hellblau wurde zur typischen Jungsfarbe. Doch auch das könnte sich bald wieder ändern, denn es entstehen immer wieder neue Moden, mit neuen Regeln und anderen Kleidercodes.

Durch unser Äußeres wollen wir ausdrücken, wer wir sind oder wer wir sein wollen. Mode soll unserem Lebensgefühl entsprechen. Es gibt aber auch Menschen, die gerade mit weiblichen oder männlichen Kleidercodes spielen.

Drag Queens und Drag Kings eignen sich durch Kleidung neue Geschlechterrollen an. Drag Queens sind in der Regel männliche Personen, die weibliche Klamotten tragen. Sie spielen – manchmal humorvoll – mit weiblichen und männlichen Accessoires.

Weibliche Personen, die sich typische Männerklamotten anziehen und dies überspitzen, bezeichnen sich selbst meistens als Drag Kings. Es gibt Drag Künstlerinnen und Künstler jeden Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung. Das Draggen ist jedoch in schwulen und lesbischen Szenen entstanden.

Der 27-jährige Toni, der sich selbst als Drag Queen sieht, erzählt, wie er seine Form vom Draggen versteht:

Toni:
„Bei meinem Kleidungsstil, oder bei meiner Form von Drag, ist es so, dass ich nicht die perfekte Illusion erschaffen möchte. Ich möchte nicht auf die Straße treten und passen, also als das andere Geschlecht durchgehen, ohne dass Menschen hinterfragen, ist das jetzt wirklich eine Bio-Frau oder ein Bio-Mann oder was auch immer. Ich bevorzuge es tatsächlich halt mit verschiedensten Accessoires, verschiedensten Kleidungsstücken, eine Mischform zu schaffen, so auch mit meinem Make-Up, mit meinem Auftreten. Ich bin halt perse nicht Frau nicht Mann, und in meiner Form der Darstellung, die eigentlich nicht - doch klar -  eine Form von drag - aber andererseits - ich verkleide mich nicht. Ich verschönere mich. Ich bin schon ich auf der Bühne oder im Alltag oder auf einer Party. Ich ziehe mir das an, was ich schick finde. Und das kann sein, dass es dann einfach High Heels sind in Kombination mit meinem Bart, der schon recht dicht ist, nicht.“ 

Seine Umgebung reagiert unterschiedlich auf sein Lebensgefühl und seinen Kleidungsstil. In einer anderen Situation beschreibt er, wie er früher von machen Mitschülerinnen und Mitschülern in der Schule wahrgenommen wurde:

Toni:
„Früher als ich zur Schule gegangen bin, musste ich einen Spagat machen zwischen dem, was ich anziehen möchte, spielt auch Make Up eine Rolle, keine Ahnung, schminke ich mir die Augen oder nicht. Ich habe in der Schule damals eher tendiert feminine Kleidung zu tragen, körperbetont, eng, was meine Mitschüler eher als “schwuchtelig” angesehen haben, da musste ich halt den Kompromiss mit mir machen, was möchte ich tragen, wie sicher fühle ich mich, wie sicher fühle ich mich dann oder wie sicher werde ich mich am Tag fühlen, womit werde ich zu rechnen haben. Ich habe, glaube ich, eher wenig Kompromisse gemacht. Ich war, glaube ich, relativ mutig damals, ich habe eigentlich getragen was ich wollte, bis zu gewissen Grenzen. Ich bin mal mit Zylinder zur Schule gegangen oder wie gesagt mit geschminkten Augen, sehr engen Sachen. Ledermantel hatte ich auch mal eine Phase.“

Toni hat uns sehr eindrucksvoll davon erzählt, mit welchen Reaktionen und Bewertungen er früher konfrontiert wurde. Wie ist das bei Dir in der Schule, gibt es verbindliche Stile, an denen sich alle orientieren? Wie siehst Du selbst Deinen Kleidungsstil? (Aufgenommen wurde: Wie ist das bei Euch in der Schule, gibt es verbindliche Stile, an denen sich alle orientieren? Wie seht ihr selbst euren Kleidungsstil?)

Wenn Du jetzt den Klamottenladen vor Dir beträtest, in welche Abteilung würdest Du gehen, in die Männer- Frauen- oder gar die Kinderabteilung? Wenn Du dann in eine andere Abteilung gehst, würdest Du dort auch etwas finden, das Du anziehen möchtet? 

Vor Dir siehst Du den S-Bahnhof Alexanderplatz. Bitte laufe durch ihn hindurch und gehe anschließend rechts an den S-Bahn-Bögen entlang. Überquere die Straße und gehe geradeaus weiter, über den kleinen Platz mit dem Brunnen und vorbei an den dort befindlichen Restaurants in die Rochstraße. Begib Dich zu dem großen weißen Schulgebäude und höre unsere nächste Station.