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Welche Rolle spielt(e) Geschlecht an der Schule?

Jetzt sind wir an einem Ort des Lernens angekommen. Lasst uns zunächst einen kurzen Blick in die Geschichte werfen:

Bis zur Weimarer Republik, also noch vor knapp 100 Jahren, wurden Jungs und Mädchen getrennt unterrichtet: Die Jungs konnten auf‘s Gymnasium, die Oberrealschule oder das Realgymnasium gehen, wo sie in Fächern wie Mathematik, Latein und den Naturwissenschaften unterrichtet wurden. Mädchen dagegen erhielten Unterricht in Handarbeit, Hauswirtschaft und Religion - wenn sie überhaupt ein Lyzeum, also ein Mädchengymnasium, besuchen durften. Das Thema Sexualität wurde erst in den 1970er Jahren in die Lehrpläne aufgenommen. Der Blick hierauf hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, auch queere Perspektiven spielen jetzt eine Rolle.

Proteste homosexueller Lehrer und Lehrerinnen brachten die Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport im Jahr 2001 dazu, ihre Definition von Sexualität zu ändern. Damit sollte die Vielfalt von Sexualität stärker betont werden:

Zitat:
“Sexualität ist eine Lebenskraft, die in allen Phasen menschlichen Lebens in körperlicher, geistig-seelischer und sozialer Hinsicht wirksam wird. Sie dient nicht nur der Weitergabe neuen Lebens, sondern ist eine Quelle von Lebensfreude und trägt zur Identitätsbildung bei. In der sozialen Beziehung zu anderen Menschen ermöglicht sie Erfahrungen von Nähe, Vertrauen, Geborgenheit, Lust, Zärtlichkeit und Liebe.”

Diese neue Definition wurde verfasst, weil Homophobie - also die Angst oder gar der Hass auf Homosexuelle - an Berliner Schulen weit verbreitet ist. Diese Homophobie von Jugendlichen zeigt sich vor allem in ihrer Sprache. Mit Schimpfworten wie “Schwuchtel”, “Tunte” oder einfach dem Wort “schwul“ versuchen sie, ihre Mitschüler und Mitschülerinnen zu ärgern.

Doch bei der Belästigung mit Worten bleibt es oft nicht. Homophobie ist Grund für Gewalt, Mobbing und sogar Todesfälle. Sie macht auch vor schwulen und lesbischen Lehrerinnen und Lehrern nicht Halt. Zum Beispiel bedrohten Schüler und Schülerinnen einer Berliner Sekundarschule ihren Lehrer wegen seiner sexuellen Orientierung mit einem Messer. Kein Wunder, denn sogar in Schulbüchern für Real- und Gesamtschulen wurde bis 2011 Homosexualität als „Abart“ menschlicher Sexualität beschrieben.

Das zwang die Politik zum Handeln: Im Jahr 2009 hat das Berliner Abgeordnetenhaus die vielen Fälle von Mobbing öffentlich verurteilt. Es wurde unter anderem beschlossen, Weiterbildungen über sexuelle Vielfalt für Lehrer und Lehrerinnen zu fördern. Ziel ist dabei die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern. Durch die Bildungsinitiativen sollen Vorurteile abgebaut und Gewalt verhindert werden.

Wird sexuelle Vielfalt auch an Deiner Schule thematisiert, und wenn ja: auf welche Weise? Gibt es einen offenen Umgang damit? Hast Du an Deiner Schule Vertrauenspersonen, mit denen Du über Sexualität sprechen könntest?

Wenn Du mit dem Rücken zum Schulgebäude stehst, laufe rechts am Zaun entlang die Rochstraße hinunter. Biege an der ersten Kreuzung links ab und laufe bis zur Bushaltestelle “Spandauer Straße / Marienkirche”. Höre Dir hier unsere nächste Station an.