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Angebote Station 5: Das Institut für Sexualwissenschaften (Haus der Kulturen der Welt)

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Angebote Station 5: Das Institut für Sexualwissenschaften (Haus der Kulturen der Welt)
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Über die Person Magnus Hirschfeld und die Geschichte des Instituts für Sexualwissenschaften.

In der Nähe des „Haus der Kulturen der Welt“ im Tiergarten befand sich von 1919 bis 1933 das von Magnus Hirschfeld gegründete private Institut für Sexualwissenschaft.

Die Einrichtung verstand sich als Forschungs- und Lehranstalt, aber auch als Heilstätte für Sexualleiden und Zufluchtsort für Angehörige sexueller Minderheiten. Das Motto des Instituts:

[...] Die Menschen durch seine Arbeit glücklicher machen, […] und durch objektive Wahrheitsforschung Leiden lindern, Verfolgung mildern, Unrecht hindern.

Neben Aufklärungskursen für Bürgerinnen und Bürger gab es Seminare für Studenten, Beratungsangebote der verschiedenen Abteilungen sowie eine sexualwissenschaftliche Bibliothek und Sammlung. (Dank zahlreicher Publikationen  war das Institut weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt.)

In der Weimarer Republik wurde es zu einer zentralen Anlaufstelle für homosexuelle Frauen und Männer sowie für Transvestitinnen und Transvestiten.

Das Institut für Sexualwissenschaften war und ist bis heute eng mit dem Namen seines Gründers Magnus Hirschfeld verbunden. Der jüdische und schwule Homosexuellenaktivist gilt als einer der Erfinder der modernen Sexualwissenschaft. Sein Leben widmete er der wissenschaftlichen Erforschung der Homosexualitäten und dem damit verbundenen Kampf gegen die Kriminalisierung nicht-heterosexuellen Begehrens. (Neben seiner eigenen Homosexualität waren es insbesonders zwei Ereignisse, die Hirschfeld zu seinem politischen Engagement motivierten: Zum einen der Suizid eines schwulen Patienten, zum anderen der Prozess gegen den wegen Homosexualität angeklagten irischen Schriftsteller Oscar Wilde im Jahr 1895.)

Bereits kurz nach der Eröffnung des Instituts erschien in der „Deutschnationalen Staatsbürgerzeitung“ ein Artikel mit wüsten Beschimpfungen gegen Hirschfeld.

Über die Arbeit des Instituts prophezeite der Autor:

die Homosexuellen [werden] unter dem Deckmantel der Wissenschaft von Tag zu Tag immer kecker und ungescheuter ihr schamloses Treiben entfalten und die öffentliche Sittlichkeit gefährden“.

Doch auch anerkennende Berichte über die Arbeit des Instituts wurden in der deutschen Tagespresse publiziert, wie z.B. in der „Berlin am Morgen“ (am 17. Juli 1929):

Zehn Jahre[n] Bestehen[s] waren gleich zehn Jahre Kampf. Aber jetzt sehen die Schöpfer des Werkes bereits die Früchte reifen: Die Erkenntnis ist auf dem Marsche und Geschlechtlichkeit kein Begriff mehr, vor dem die junge Generation zurück schrecken muss.

Dieser Optimismus erwies sich jedoch als verfrüht. Am 6. Mai 1933 verwüstete die HJ das Gebäude und beendete damit die nur knapp 14-jährige Geschichte dieser ersten Einrichtung für emanzipatorische Sexualwissenschaft in Deutschland. Nur vier Tage später wurden Teile der Instituts-Bibliothek auf dem heutigen Bebelplatz verbrannt. Die Einrichtung wurde zwangsversteigert und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Exil getrieben.