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Angebote Station 6: Cruising im Tiergarten (Großer Stern)

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Angebote Station 6: Cruising im Tiergarten (Großer Stern)
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Der Tiergarten ist ein Ort, an dem Männer sexuelle Dienstleistungen anbieten und an dem homosexuelle Männern Sexualpartner suchen.

Im Jahr 1742 gab Friedrich II. dem Architekten Knobelsdorff den Auftrag, das Jagdrevier „Tiergarten“ zu einem Lustpark, einem der Erholung dienenden Park für die Bevölkerung umzuwandeln.

Der Tiergarten wurde seitdem auch als Ort sexueller Begegnungen genutzt. Schon während der Kaiserzeit boten hier Männer sexuelle Dienste gegen Bezahlung an. Im Gegensatz zu lesbischem Sex stand der Geschlechtsakt zwischen Männern unter Strafe und die Repressionen machten sich auch im Tiergarten bemerkbar.

Der Sexualwissenschaftler Richard Linsert, der einige dieser sich prostituierenden Männer interviewte, um auf den Zusammenhang zwischen sozialer Not und Sexarbeit hinzuweisen, notierte aber auch positive Aussagen einiger Männer. Einer der Befragten bezeichnete seine Tätigkeit als „ein[en] sichere[n] und angenehme[n] Broterwerb“. Ein anderer bemerkte in Bezug auf sexuelle Praktiken:

Je perverser, desto besser.

Der Tiergarten ist auch ein traditioneller Ort für homosexuelle Männer auf der Suche nach Sexualpartnern, also für das sogenannte Cruising.
Schon in Reiseführern in den 1960er Jahren wird er als klassischer Ort für schwulen Freiluftsex genannt:

Leider ist das Cruising-Gelände noch immer nicht ausgeschildert oder irgendwie per rosa Markierung kenntlich gemacht. Am besten fragt man Spaziergänger harmlos nach der Löwenbrücke“.

Diese ist bei Tag und Nacht ein beliebter Treffpunkt. Obwohl der Tiergarten nicht ungefährlich ist und die Besucher auch dort Homophobie erleben, können schwule Männer im schützenden Dunkel ihre Sexualität ausleben.

Polizeirazzien gegen schwule Männer waren bis weit in das 20. Jahrhundert hinein bittere Realität. Das seit 1984 erscheinende schwule Stadtmagazin „Siegessäule“ hatte sogar eigens ein Razzientelefon eingerichtet, um Informationen zu sammeln und zu verbreiten. Auch heute noch ist Freiluftsex im Tiergarten alltäglich.

Genauso präsent ist leider immer noch homophobe Kritik seitens Zeitungen wie der B.Z. (24.04.2013), die sich 2013 noch für „Maßnahmen gegen die Sexspiele“ stark macht.