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Angebote Station 6: Gender Mainstreaming - Gender Daydreaming

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Angebote Station 6: Gender Mainstreaming - Gender Daydreaming
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Eine Station zur Gleichheit vor dem Gesetz und ihren Tücken.

Hier im Europahaus kannst Du Dich über die Europäische Union und ihre Institutionen informieren. Heute soll es hier aber um die Haltung der EU zum Thema Geschlecht gehen. Auch die Europäische Union hat sich die Gerechtigkeit unter den Geschlechtern auf die Fahne geschrieben. 1999 trat der Amsterdamer Vertrag der EU in Kraft und damit auch das Gender Mainstreaming.

Zitat:
“Artikel 157 Absatz 1 der Konsolidierten Fassungen des Vertrags über die Europäische Union. Jeder Mitgliedstaat stellt die Anwendung des Grundsatzes des gleichen Entgelts für Männer und Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit sicher.”

Für die Menschen der europäischen Mitgliedsstaaten bedeutet das die gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit, egal ob sie Mann oder Frau sind. Das Thema der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern ist allerdings viel älter. Schon 1949 schrieb Simone de Beauvoir das berühmte Zitat:

“Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.”

Simone de Beauvoir meinte damit, dass Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen nicht natürlich gegeben sind, sondern dass die Ungleichheiten in der Gesellschaft gemacht werden und zum Teil auch gewollt sind. Darum will die Europäische Union mit der Gender Mainstreaming Strategie zu einer gerechteren Verteilung von Arbeit, Geld, Macht und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zwischen Frauen und Männern beitragen. Trotzdem finden sich noch immer nur wenige in Spitzenpositionen der  Wirtschaft. Für gleiche Arbeit werden sie auch heute noch oft schlechter bezahlt als Männer.

Und es gibt ein weiteres Problem: Was ist, wenn eine Person erst gar nicht in diese Regelung fällt? Wenn es um Menschen geht, die weder Frau noch Mann sind?

Trans, Transgender, Transgeschlechtlichkeit, Transidentität, Transsexuell, Transvestit, Transfrau, Transmann, Drag King, Drag Queen, Queer, Intergeschlechtliche Menschen, Zwischengeschlechtliche Menschen, Asexuelle Menschen; die Bezeichnungen und Lebensweisen sind vielfältig. Was diese Menschen gemeinsam haben, ist: Sie lassen sich nicht in das simple Schema von Mann einerseits und Frau andererseits einteilen. Oft wollen sie das auch gar nicht. Die amerikanische Aktivistin Virginia Charles Prince brachte es auf den Punkt.

Zitat:
“We ain´t broken - so stop trying to fix us!”

Wir sind nicht kaputt - also hört auf, uns reparieren zu wollen! Jenseits von Männern und Frauen gibt es viele Geschlechter. Diese Menschen nicht wahrzunehmen oder trotzdem nur von „Frauen“ und „Männern“ zu sprechen, ist also ziemlich ungerecht.

Gesetze und Strategien, wie das Gender Mainstreaming, leugnen die Vielfalt der Geschlechter. Sie leugnen die Menschen, die nicht in die Kategorien Mann und Frau passen. Für Trans*Menschen gibt es also nach wie vor keine Möglichkeit, als zwischengeschlechtliche Rechtsubjekte in Erscheinung zu treten - und ohne Rechtsprechung haben sie auch kein Anrecht auf eine gleiche Behandlung in Sachen Arbeit, Geld, Macht und Teilhabe. Diese Benachteiligung findet sich auch im Grundgesetz:

Paragraph 1, Artikel 3 im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Doch was ist mit den Menschen, die weder Frau noch Mann sind? Sind sie etwa vor dem Gesetz weniger gleich als andere? Sollten Gesetze nicht für alle Menschen gelten?

Biege nun in die Wilhelmstraße ab und laufe bis zur nächsten Kreuzung. Hör Dir dort die nächste Station an.