Hidden from normal

Angebote Station 7: Frauen/Lesbenbewegung in Schöneberg (Lützwoplatz)

Hidden from mobile

Angebote Station 7: Frauen/Lesbenbewegung in Schöneberg (Lützwoplatz)
Hören Sie den Podcast zu dieser Station
 
00:00

Der Lützwoplatz, Helene Lange und lesbisches Leben Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der Lützowplatz lag Ende des 19. Jahrhunderts in einem bürgerlichen Viertel. Dessen preiswerte Wohnungen zogen damals ledige Frauen der ersten Emanzipationsbewegung an. Sie verfügten oft nur über ein geringes Vermögen, da es außerhalb der Ehe für bürgerliche Frauen schwierig war, für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Die Ausübung eines Berufes war Männern vorbehalten.

Eine Vorkämpferin der Frauenbewegung war Helene Lange. Sie wohnte seit 1892 in einer Parallelstraße zum heutigen Schwulen Museum* am Schöneberger Ufer 35. Als Lehrerin lag Lange besonders die Ausbildung von Frauen am Herzen. Bisher konnten diese nur in Ausnahmefällen das Abitur machen und studieren. 1893 fing Lange an, Mädchen in Gymnasialkursen auf das Abitur vorzubereiten. Die ersten Abiturprüfungen beschreibt Lange in ihren Lebenserinnerungen folgendermaßen:

So konnten wir Ostern 1896 unsere ersten sechs Schülerinnen zur Prüfung anmelden. [...] Das Prüfungsergebnis war für die Öffentlichkeit eine große Überraschung. Alle sechs Schülerinnen bestanden mit gutem Erfolg; sie hatten, wie der Kultusminister später im Abgeordnetenhause bemerkte, „reichlich so viel, zum Theil mehr geleistet als unsere jungen Männer“. [...] “ (Lange, Lebenserinnerungen, 1927, S. 211)

Bereits drei Jahre später stand Langes Engagement jedoch unerwartet kurz vor dem Aus:

[E]ine [...] Augenerkrankung [...] nahm mir [...] langsam jede Möglichkeit des Lesens, Schreibens und intensiven Arbeitens. [...] In dieser Zeit der schweren geistigen Not ist Gertrud Bäumer zu mir gekommen.“ (S.215f)

Bäumer zog im Herbst 1898 nach Berlin, um die Prüfung zur Oberlehrerin abzulegen. Kurz darauf erfuhr sie durch eine gemeinsame Freundin von Langes Augenkrankheit. Da Lange nach einer geeigneten Hilfskraft suchte, bot die 25-Jährige ihre Dienste an und wurde bald zu Langes engster Mitarbeiterin. Dreißig Jahre des gemeinsamen Arbeitens und Wohnens folgten. Als Bäumer 1916 die Leitung der Sozialen Frauenschule in Hamburg übernahm, zog Lange mit ihr um.

Waren die beiden ein lesbisches Paar? Das können wir heute nicht mit Sicherheit sagen, da sich beide in ihren Lebenserinnerungen dazu nicht äußern. Als lesbisch zu gelten, war ein schwerwiegender Vorwurf und hätte die Anerkennung ihrer politischen Leistungen gefährdet. Erst kurz nach der Jahrhundertwende verwendete die Journalistin Theo Anna Sprüngli „homosexuell“ erstmals als positive Selbstbezeichnung. In der Weimarer Republik entstanden dann verschiedene Orte lesbischer Kultur. In Berlin gab es während dieser Zeit schätzungsweise dreißig Lokale, Clubs und Bars für lesbische Frauen. Wie stark die öffentliche Diskriminierung von lesbischen Frauen damals war, entnehmen wir heute dem 1928 von Margarete Roellig veröffentlichten Stadtführer „Berlins lesbische Frauen“:

[T]rotz aller Toleranz gerade in sexuellen Dingen, ist vorläufig eine Frau, die in diesem Punkte ihre andersgeartete Triebrichtung frei bekennen würde, gesellschaftlich noch ebenso geächtet wie ehemals.

Die Lokale und Clubs sprachen unterschiedliche Gäste an. Der „Klub Monbijou des Westens“ wurde beispielsweise von einem exklusiven Publikum besucht. Lesbische Schauspielerinnen, Sängerinnen, Wissenschaftlerinnen saßen hier „rauchend in Sessel geschmiegt“ oder tanzten zu Klaviermusik.
Im Gegensatz dazu bot das „Violetta“ süd-östlich vom Lützowplatz Tanzgelegenheiten für Arbeiterinnen und Angestellte. Eine beliebte Veranstaltungsreihe war der sogenannte Transvestiten-Abend, auf dem Frauen in Männerkleidung auftreten konnten. Lotte Hahm, die Gründerin des Clubs, ließ sich stets in Jacket, Hemdbluse und Schlips fotografieren.