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Das Haus in der Motzstraße 30 könnte viele Geschichte erzählen. Hier hören Sie eine biographische Skizze von Otto Hampel.

Haupterzähler:
Station 8: Motzstraße 30

Das Haus in der Motzstraße 30 könnte viele Lebensgeschichten erzählen, wie Andreas Pretzel in seiner Broschüre „Vom Dorian Gray zum Eldorado“ schreibt, aus dem auch die folgenden Informationen stammen. Sie finden dort insgesamt fünf Stolpersteine und eine Gedenktafel erinnert daran, dass auch Rudolf Steiner in diesem Haus wohnte. Vier der Stolpersteine stehen für die jüdischen Hausbewohnerinnen Elli Grün, Regina Jacobi sowie Jenny und Lucie Schwarzwald. Bis 1936 gehörte das Haus den jüdischen Brüdern und Rechtsanwälten Georg und Kurt Fontheim. Kurt war ein in der Homosexuellenbewegung bekannter Verteidiger, der 1935 verhaftet und ins KZ gesteckt wurde. Nach der Entlassung konnte er 1936 ins Exil flüchten. Sein Bruder Georg versuchte daraufhin das Vermögen der Brüder vor den Nazis zu retten, wurde aber wegen angeblicher Steuerhinterziehung verurteilt, 1942 deportiert und ermordet.

Der fünfte Stolperstein erinnert an Otto Hampel, der in Breslau geboren wurde und Anfang der 1920er Jahre nach Berlin kam und als Vertreter arbeitete. In Berlin war er Gast vieler Homosexuellen-Lokale und lernte dort auch seinen langjährigen Freund, den Justizangestellten Carl Vogel kennen. Sie hatten über acht Jahre eine Beziehung, die von den Nazis zerstört wurde.

Als ein Bekannter Vogels von der Gestapo verhaftet wurde, gerieten Hampel und sein Freund ins Visier und wurden in die berüchtigte Gestapo Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße gebracht. Man verurteilte Vogel zu einem Jahr Haft, wie es hieß wegen „widernatürlicher Unzucht“ und entließ ihn aus dem Staatsdienst. Hampel wurde zu neun Monaten verurteilt und wegen den Folgen einer Syphiliserkrankung, wurde er durch ein ärztliches Gutachten in die Kategorie „minderwertig“ eingestuft und nach seiner Haftentlassung in eine geschlossene Anstalt überführt. Mehrere Anträge auf Entlassung oder Verlegung in eine offene Psychiatrie wurden abgelehnt. Am 30. März 1940 wurde Otto Hampel im Rahmen des Euthanasieprogramms, der sogenannten Aktion T 4, durch Gas getötet.

Gehen Sie nun die Motzstraße entlang bis zur Martin-Luther-Straße und dort bis zur Ecke Fuggerstraße, dem ehemaligen ersten „Eldorado“.