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Vom Wahlrecht für Frauen und homosexuellen Politiker_innen.

Zu Deiner Rechten befindet sich der Reichstag. Hier tagt das deutsche Parlament. Im Jahr 2013 hat dieses Parlament zum dritten Mal in Folge Angela Merkel zur Bundeskanzlerin Deutschlands gewählt. Wenn du einen Blick in Deine Geschichtsbücher wirfst, wirst du jedoch bemerken: eine Frau als Regierungsoberhaupt ist keine Selbstverständlichkeit.

Frauen wurden bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein von der Politik ausgeschlossen. Bis 1919 durften sie in Deutschland weder wählen, noch selbst gewählt werden. Frauen wurden als emotional, empfindlich und sorgsam betrachtet. Eigenschaften, die in der Regierung eines Landes scheinbar fehl am Platz waren. Männern wurden dagegen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die oft mit Macht zu tun hatten. Ein „echter Mann“ sollte zum Beispiel hart, tapfer, rational und tatkräftig sein. Die Ordnung der Gesellschaft – Männer in Machtpositionen und Frauen in der privaten Sphäre des Hauses – wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein von Vielen als selbstverständlich akzeptiert und nur von Wenigen in Frage gestellt.

Dies änderte sich im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sowohl Feministen und Feministinnen als auch neue soziale Bewegungen fingen seit den 1960er Jahren an, traditionelle Rollenbilder und die Rechtmäßigkeit der männlichen Herrschaft kritisch zu hinterfragen. Immer mehr Frauen betraten als Abgeordnete oder Ministerinnen die politische Arena. Diese erkämpfte Öffnung des politischen Bereichs beförderte auch die Emanzipation schwuler Politiker:

Zitat:
„Ich bin schwul, und das ist auch gut so, liebe Genossen und Genossinnen."

Mit diesem Satz machte Klaus Wowereit, der damalige Kandidat für das Amt des Bürgermeisters von Berlin, am 10. Juni 2001 seine Homosexualität öffentlich. Sechs Tage später wurde er als erster offen schwuler Politiker zum Regierungschef eines deutschen Bundeslandes gewählt. Der Berliner Bürgermeister blieb mit seinem Outing jedoch nicht lange allein: in fast jeder Partei gibt es inzwischen offen homosexuelle Spitzenpolitiker. Bekannte männliche Politiker, die sich in der Öffentlichkeit geoutet haben, sind zum Beispiel der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle, der ehemalige Hamburger Bürgermeister Ole von Beust und der Grünen-Politiker Volker Beck. 

Dass diese Politiker offen schwul sind, ist keine Selbstverständlichkeit, denn in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft – zum Beispiel im Sport oder an der Spitze großer Unternehmen - ist Homosexualität noch immer ein Tabu.  Aber auch in der Politik gilt die Akzeptanz homosexueller Politiker nur mit Einschränkungen. Einerseits werden sie akzeptiert, andererseits müssen sie sich gegen negative Klischees und Anfeindungen über schwule Männer – wie zum Beispiel Weiblichkeit und eine ihnen unterstellte lose Sexualmoral - behaupten. Sie bekommen in den Medien positive Resonanz, aber nur unter der Bedingung, dass sie stereotypische männliche Eigenschaften zeigen und mit einer festen Partnerschaft ihre sexuelle Zurückhaltung unter Beweis stellen.

Wir haben jetzt nur über schwule Politiker gesprochen. Wie sieht es eigentlich mit der Akzeptanz gegenüber lesbischen Politikerinnen aus?

Neben den spektakulären Outings schwuler Politiker in den letzten Jahrzehnten, gab es auch Politikerinnen, die ihre Homosexualität öffentlich gemacht haben. Für lesbische Politikerinnen ist es manchmal schwieriger als für schwule Politiker, sich zu ihrer sexuellen Orientierung zu bekennen. Lesbische Politikerinnen werden auf zwei Ebenen diskriminiert: erstens aufgrund ihres „Frauseins“, und zweitens aufgrund ihrer Homosexualität. Eine Studie zeigt, dass die Zahl der offen schwulen Politiker in Deutschland immer weiter steigt, die Zahl der offen lesbischen Politikerinnen allerdings gleich bleibt.

Es gibt auch Politiker und Politikerinnen, die sich nicht als Mann oder Frau, hetero- oder homosexuell bezeichnen können oder wollen. Ein Beispiel ist Christina Schenk, eine deutsche Politikerin, die sich 2002 als Transgender geoutet hat und 2006 nach einer geschlechtsangleichenden Operation und Namensänderung als Christian in die Öffentlichkeit trat. Als Christina Schenk war sie bis 2002 lesben- und schwulenpolitische Sprecherin im Bundestag. Als Christian Schenk kämpft er jetzt für die Entstehung einer politischen trans-Bewegung in Deutschland.

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