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Unterricht 5. “Die sollen es leichter haben, als ich es hatte.”

Marias juristisch-politisches Engagement.

Marias juristisch-politisches Engagement.

Augstein from Agentur Bildung on Vimeo.

Marias Unterstützung von trans- und intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen [33:15 Min - Ende]

Maria Sabine Augstein (unterbricht): Ja, ich hab ja, ich vertrete inzwischen auch Kinder vorm Personenstandsgericht, und das tu ich auch voller Verve, und das is mir auch ein großes Anliegen, weil, wie gesagt, ich wollt ja mit fünf schon eine Frau werden, also, äh, ich habe mit f-/ annähernd / es sind jetzt 60 Jahre her, dass ich genauso empfunden habe, wie diese jungen Menschen empfinden, und, äh. Gott sei Dank haben die in vie- / es gibt ja auch ne Selbsthilfegruppe von Eltern transsexueller Kinder und Jugendlicher, da hab / da hab ich auch Kontakt, hm, und Gott sei Dank ist es so, dass die Mütter einfach das kapieren und auch das na / das mitfühlen. Das Kind is anders. Und das Kind dann auch unterstützen. Das große Problem sind, wie bei vielem, die Väter, die natürlich nich ertragen können, wenn ihr Sohn eine Frau werden will, das ja etwas ganz entsetzliches, ne, und, ja.
[…]
und das is eben auch für mich etwas sehr Schönes, dass ich da jungen Menschen helfen kann auf diesem Weg, und, äh, personenstandsrechtlich, öm, und auch generell. Ich hab n Gutachten geschrieben, n Rechtsgutachten, was auch in der Schule möglich is vor der offiziellen Vornamens- und Personenstandsänderung. Das dauert ja, ne. Das dauert ja auch bei Erwachsenen unzumutbar lange, nämlich, äh, 9 bis 18 Monate. 9 Monate kann man froh sein, 12 bis 18 Monate is normal, ähm, was da möglich ist, und ich habe die Rückmeldungen bekommen, auch von der Selbsthilfegruppe, dass viele Schulen auch auf der Grundlage dieser meiner Ausführungen bereit waren, auch mit den Eltern und dem Kind entsprechende Vereinbarungen zu treffen, dass also zum Beispiel, hm, die Zeugnisse schon auf den neuen Namen lei- / lauten, ich hab das auch mit / mit der Strafrechtsliteratur belegen können, dass es keine Urkundenfälschung is, da gibt’s genuch , äh, Sachen, die / ( schüttelt den Kopf) auch keine mittelbare Falschbeurkundung im Amt, äh, das hab ich also / da bin ich

Konstanze Plett (unterbricht): Da hat man ja immer so Ängste, die dann, ähm, kommen

Maria Sabine Augstein: und, ähm, und das is sehr erfreulich, dass doch diese Verfahren also so laufen können, dass ich damit rechnen kann, dass eben dann auch Kinder, öh, den neuen Vornamen, und / und jetzt nachdem keine OP mehr nötig ist, natürlich auch die neue Geschlechtszuschreibung bekommen können, das, öh. Ich lass das abklären von Gutachtern, ob die dafür sind, dass sie auch die, sch- neue Geschlechtszugehörigkeit bekommen können, da hab ich ne Rückmeldung bekommen, dass manche Gutachter das ablehnen vorm Alter von 16. Is alles so willkürlich, ne.
[…]
Einer meiner letzten Verfahren ist vorm bayrischen Verwaltungsgerichtshof, also, da gings auch um einen neuen Mann, der den Realschulabschluss an einer Mädchenschule gemacht hat, und da steht natürlich dann drin Mädchenrealschule, und da habe ich verlangt, dass, äh, dass da neue Zeugnisvordrucke geschaffen werden müssen, wo das eben fehlt, dieser Bestandteil, muss man halt neue Formblätter drucken. […]

[…] Und, äh, das sind Dinge, wo ich auch sehr froh bin, dass ich das machen kann, dass eben / das eben nicht so läuft wie bei mir, dass es ein Schweigen und ein langes Leiden ist und / bis man sich dann schließlich durchkämpfte, weil / sondern, dass ich dazu beitragen kann, dass diese Kinder ihr Empfinden schon in auch sehr jungen Jahren verwirklichen können.

Konstanze Plett: Ja, Frau Augstein, Sie ham uns viel erzählen können, Sie ham viel bewirkt, ähm, informieren, dass / Sie ham geschrieben, äh, erzählt, verhandelt und überzeugt, äh, und die Leute dann auch wirklich / müssen sich ja überzeugen lassen, aber dis is ihnen auch viel gelungen und, äh, wir danken Ihnen ganz herzlich, dass Sie uns so lange und so viel Auskunft über viele Bereiche und teilweise ja auch sehr, sehr persönliche gegeben haben. Ähm, aber das denke ich, dient am Ende auch, äh, insgesamt, äh, der Sache und dass es doch, äh, weitergeht. Und, äh, die nächsten Generationen, äh, es dann doch

Maria Sabine Augstein: Die sollen es leichter haben, als ich es hatte.

Aufgabe 1

Wie engagiert sich Maria im Rahmen ihres Berufes für andere trans- und intergeschlechtliche Menschen? Seht Euch dazu das Video ab Minute 33:15 bis zum Ende an.

Tipp: Ihr könnt dabei auch diskutieren, welche Vor- und welche Nachteile es haben kann, wenn man sich als gewordene Frau für die Rechte von trans_geschlechtlichen Menschen einsetzt.

Aufgabe 2

Untersucht, was sich in Eurem Leben ändern würdet, wenn Ihr Euer Geschlecht wechseln wolltet.

Tipp: Geht Eure wöchentlichen Aktivitäten im Kopf durch und überlegt, wo (Euer) Geschlecht eine Rolle spielt.

Aufgabe 3

Stellt Euch vor, jemand aus Eurem Freundeskreis möchte ihr_sein Geschlecht wechseln. Wie könntet Ihr diese Person bei den Vorbereitungen dazu konkret unterstützen?

Tipp: Ihr könnt hierzu die Facebook-Seite “Was Cis-Menschen oft nicht wissen” , das Arbeitsblatt “AB_A5_Transunterstuetzung” oder Eure Ergebnisse aus Aufgabe 2 als Anregung nutzen.

Mögliche unklare Begriffe (Erklärt sie Euch gegenseitig oder schlagt sie nach, falls nötig.)

  • Cis-geschlechtlich
  • Personenstandsänderung

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Unterricht 5. “Die sollen es leichter haben, als ich es hatte.”
Abstract

Marias juristisch-politisches Engagement.

Hintergrund

Marias juristisch-politisches Engagement.

Quellen / Material
  • Augstein from Agentur Bildung on Vimeo.

    Marias Unterstützung von trans- und intergeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen [33:15 Min - Ende]

    Maria Sabine Augstein (unterbricht): Ja, ich hab ja, ich vertrete inzwischen auch Kinder vorm Personenstandsgericht, und das tu ich auch voller Verve, und das is mir auch ein großes Anliegen, weil, wie gesagt, ich wollt ja mit fünf schon eine Frau werden, also, äh, ich habe mit f-/ annähernd / es sind jetzt 60 Jahre her, dass ich genauso empfunden habe, wie diese jungen Menschen empfinden, und, äh. Gott sei Dank haben die in vie- / es gibt ja auch ne Selbsthilfegruppe von Eltern transsexueller Kinder und Jugendlicher, da hab / da hab ich auch Kontakt, hm, und Gott sei Dank ist es so, dass die Mütter einfach das kapieren und auch das na / das mitfühlen. Das Kind is anders. Und das Kind dann auch unterstützen. Das große Problem sind, wie bei vielem, die Väter, die natürlich nich ertragen können, wenn ihr Sohn eine Frau werden will, das ja etwas ganz entsetzliches, ne, und, ja.
    […]
    und das is eben auch für mich etwas sehr Schönes, dass ich da jungen Menschen helfen kann auf diesem Weg, und, äh, personenstandsrechtlich, öm, und auch generell. Ich hab n Gutachten geschrieben, n Rechtsgutachten, was auch in der Schule möglich is vor der offiziellen Vornamens- und Personenstandsänderung. Das dauert ja, ne. Das dauert ja auch bei Erwachsenen unzumutbar lange, nämlich, äh, 9 bis 18 Monate. 9 Monate kann man froh sein, 12 bis 18 Monate is normal, ähm, was da möglich ist, und ich habe die Rückmeldungen bekommen, auch von der Selbsthilfegruppe, dass viele Schulen auch auf der Grundlage dieser meiner Ausführungen bereit waren, auch mit den Eltern und dem Kind entsprechende Vereinbarungen zu treffen, dass also zum Beispiel, hm, die Zeugnisse schon auf den neuen Namen lei- / lauten, ich hab das auch mit / mit der Strafrechtsliteratur belegen können, dass es keine Urkundenfälschung is, da gibt’s genuch , äh, Sachen, die / ( schüttelt den Kopf) auch keine mittelbare Falschbeurkundung im Amt, äh, das hab ich also / da bin ich

    Konstanze Plett (unterbricht): Da hat man ja immer so Ängste, die dann, ähm, kommen

    Maria Sabine Augstein: und, ähm, und das is sehr erfreulich, dass doch diese Verfahren also so laufen können, dass ich damit rechnen kann, dass eben dann auch Kinder, öh, den neuen Vornamen, und / und jetzt nachdem keine OP mehr nötig ist, natürlich auch die neue Geschlechtszuschreibung bekommen können, das, öh. Ich lass das abklären von Gutachtern, ob die dafür sind, dass sie auch die, sch- neue Geschlechtszugehörigkeit bekommen können, da hab ich ne Rückmeldung bekommen, dass manche Gutachter das ablehnen vorm Alter von 16. Is alles so willkürlich, ne.
    […]
    Einer meiner letzten Verfahren ist vorm bayrischen Verwaltungsgerichtshof, also, da gings auch um einen neuen Mann, der den Realschulabschluss an einer Mädchenschule gemacht hat, und da steht natürlich dann drin Mädchenrealschule, und da habe ich verlangt, dass, äh, dass da neue Zeugnisvordrucke geschaffen werden müssen, wo das eben fehlt, dieser Bestandteil, muss man halt neue Formblätter drucken. […]

    […] Und, äh, das sind Dinge, wo ich auch sehr froh bin, dass ich das machen kann, dass eben / das eben nicht so läuft wie bei mir, dass es ein Schweigen und ein langes Leiden ist und / bis man sich dann schließlich durchkämpfte, weil / sondern, dass ich dazu beitragen kann, dass diese Kinder ihr Empfinden schon in auch sehr jungen Jahren verwirklichen können.

    Konstanze Plett: Ja, Frau Augstein, Sie ham uns viel erzählen können, Sie ham viel bewirkt, ähm, informieren, dass / Sie ham geschrieben, äh, erzählt, verhandelt und überzeugt, äh, und die Leute dann auch wirklich / müssen sich ja überzeugen lassen, aber dis is ihnen auch viel gelungen und, äh, wir danken Ihnen ganz herzlich, dass Sie uns so lange und so viel Auskunft über viele Bereiche und teilweise ja auch sehr, sehr persönliche gegeben haben. Ähm, aber das denke ich, dient am Ende auch, äh, insgesamt, äh, der Sache und dass es doch, äh, weitergeht. Und, äh, die nächsten Generationen, äh, es dann doch

    Maria Sabine Augstein: Die sollen es leichter haben, als ich es hatte.

Arbeitsaufträge

Aufgabe 1

Wie engagiert sich Maria im Rahmen ihres Berufes für andere trans- und intergeschlechtliche Menschen? Seht Euch dazu das Video ab Minute 33:15 bis zum Ende an.

Tipp: Ihr könnt dabei auch diskutieren, welche Vor- und welche Nachteile es haben kann, wenn man sich als gewordene Frau für die Rechte von trans_geschlechtlichen Menschen einsetzt.

Aufgabe 2

Untersucht, was sich in Eurem Leben ändern würdet, wenn Ihr Euer Geschlecht wechseln wolltet.

Tipp: Geht Eure wöchentlichen Aktivitäten im Kopf durch und überlegt, wo (Euer) Geschlecht eine Rolle spielt.

Aufgabe 3

Stellt Euch vor, jemand aus Eurem Freundeskreis möchte ihr_sein Geschlecht wechseln. Wie könntet Ihr diese Person bei den Vorbereitungen dazu konkret unterstützen?

Tipp: Ihr könnt hierzu die Facebook-Seite “Was Cis-Menschen oft nicht wissen” , das Arbeitsblatt “AB_A5_Transunterstuetzung” oder Eure Ergebnisse aus Aufgabe 2 als Anregung nutzen.

Mögliche unklare Begriffe (Erklärt sie Euch gegenseitig oder schlagt sie nach, falls nötig.)

  • Cis-geschlechtlich
  • Personenstandsänderung