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Unterricht Die Erinnerungen Barbins - Sachtexte

Die Sachtexte zu Medizin, Kommunikationsmedien, Kirche und Katholizismus bieten kurze Hintergrundinformationen, die relevant für die Interpretation der Memoiren sind. 

Den Schüler_innen werden die Sachtexte zur Verfügung gestellt, damit sie die Bedingungen im 19. Jahrhundert nachvollziehen können und somit das Handeln Barbins.

Sachtext

M 5 - Medizin im 19. Jahrhundert

„Mit der bürgerlichen und der industriellen Revolution entstanden neue Rahmenbedingungen für die Gesundheitsversorgung: Der bisher eher kleinen akademischen Ärzteschaft wuchsen neue Aufgaben in der Versorgung des anwachsenden Bürgertums und später der Arbeiterschaft sowie in der Bewältigung neuer epidemiologischer Herausforderungen 1 zu. Denn die Größenzunahme der Städte mit teilweise katastrophalen Wohnverhältnissen und die globale Mobilität zu den neuen Kolonialgebieten in Asien erhöhten die Gefahr endemischer und epidemischer Krankheiten [...]. Zunehmend wurde das Experiment die allgemein anerkannte Weise zur Erzeugung und Überprüfung von Wissen in der Medizin. Aus der Anatomie 2 entwickelte sich [...] eine experimentelle Physiologie 3 [...]“ (Bruchhausen/Schott, 2008: 97). Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Ärzteberuf außerdem immer mehr professionalisiert: Ärztliche Ausbildung und Zugang zum Ärzteberuf wurden zunehmend kontrolliert (Eckart/Jütte, 2007: 319).

Aus: Walter Bruchhausen/Heinz Schott, Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Göttingen (Vandenhoeck und Ruprecht) 2008, S. 97; Wolfgang Uwe Eckart/Robert Jütte, Medizingeschichte. Eine Einführung , Köln, Weimar, Wien (UTB) 2007, S. 319.
 

  • 1.  Herausforderungen im Umgang mit Massenerkrankungen
  • 2. Untersuchung des Aufbaus des menschlichen Körpers
  • 3. Untersuchung der Lebensvorgänge eines Organismus

Die Aufträge zu den Sachtexten (M 5 – M 8) befinden sich auf dem Arbeitsbogen Zeitstrahl (M 4).

I.  Lest und analysiert die folgenden Quellen (Q3-8), bei denen es sich um Ausschnitte aus Barbins Lebenserinnerungen handelt:

  • Benennt zu jeder Erinnerung Personen, mit denen sich Barbin auseinandersetzt und gesellschaftlichen Bereiche, mit denen diese Personen in Verbindung gebracht werden können.

Setzt die Quellen dafür in Beziehung zu den Texten zu Kirche, Kommunikationsmedien und Medizin im 19. Jahrhundert.


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Unterricht Die Erinnerungen Barbins - Sachtexte
Abstract

Die Sachtexte zu Medizin, Kommunikationsmedien, Kirche und Katholizismus bieten kurze Hintergrundinformationen, die relevant für die Interpretation der Memoiren sind. 

Hintergrund

Den Schüler_innen werden die Sachtexte zur Verfügung gestellt, damit sie die Bedingungen im 19. Jahrhundert nachvollziehen können und somit das Handeln Barbins.

Quellen / Material
  • Sachtext

    M 5 - Medizin im 19. Jahrhundert

    „Mit der bürgerlichen und der industriellen Revolution entstanden neue Rahmenbedingungen für die Gesundheitsversorgung: Der bisher eher kleinen akademischen Ärzteschaft wuchsen neue Aufgaben in der Versorgung des anwachsenden Bürgertums und später der Arbeiterschaft sowie in der Bewältigung neuer epidemiologischer Herausforderungen 1 zu. Denn die Größenzunahme der Städte mit teilweise katastrophalen Wohnverhältnissen und die globale Mobilität zu den neuen Kolonialgebieten in Asien erhöhten die Gefahr endemischer und epidemischer Krankheiten [...]. Zunehmend wurde das Experiment die allgemein anerkannte Weise zur Erzeugung und Überprüfung von Wissen in der Medizin. Aus der Anatomie 2 entwickelte sich [...] eine experimentelle Physiologie 3 [...]“ (Bruchhausen/Schott, 2008: 97). Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Ärzteberuf außerdem immer mehr professionalisiert: Ärztliche Ausbildung und Zugang zum Ärzteberuf wurden zunehmend kontrolliert (Eckart/Jütte, 2007: 319).

    Aus: Walter Bruchhausen/Heinz Schott, Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Göttingen (Vandenhoeck und Ruprecht) 2008, S. 97; Wolfgang Uwe Eckart/Robert Jütte, Medizingeschichte. Eine Einführung , Köln, Weimar, Wien (UTB) 2007, S. 319.
     

    • 1.  Herausforderungen im Umgang mit Massenerkrankungen
    • 2. Untersuchung des Aufbaus des menschlichen Körpers
    • 3. Untersuchung der Lebensvorgänge eines Organismus
  • Sachtext

    M 6 - Kommunikationsmedien im 19. Jahrhundert

    „Infolge der massiven Ausweitung und Vernetzung, Intensivierung und Beschleunigung des Nachrichtenverkehrs [...] konnten im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ungleich mehr und ungleich aktuellere Nachrichten als je zuvor aus weit entfernten Weltregionen in die "westliche" Welt bzw. in die Gesellschaften gelangen, die an die internationalen Telegraphennetze angeschlossen waren. Das neuartige Erleben von Aktualität führte zusammen mit der Entwicklung wesentlich leistungsfähigerer Druck- und Satzverfahren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Gründungsboom von Tageszeitungen [...]; der Beruf des Journalisten verbreitete sich über die Kulturen hinweg. [...]

    [Dies] ruft zugleich den umfassenderen Zusammenhang zwischen der Geschichte der Fernkommunikation und der Geschichte der bürgerlichen Öffentlichkeit, der politischen Partizipation und sozialer Massenbewegungen ins Bewusstsein. Mochten die gestiegenen Übertragungsmöglichkeiten, die die elektrische Telegraphie mit sich brachte, zunächst vor allem wirtschaftliche sowie, in deutlich geringerem Umfang, auch staatlich-politische und militärische Nutzung erfahren haben, so wiesen sie doch grundsätzlich darüber hinaus: Das neue Kommunikationsmedium war vor allem auch eines der sich herausbildenden und wandelnden öffentlichen Sphäre von Gesellschaften.“

    Aus: Zeitungs- und Nachrichtenwesen. Einführung ins Thema. Kommunizieren in die Ferne. Didaktik der Geschichte. Philologisch-Historische Fakultät. Universität Augsburg.  26.03.2007. Letzter Seitenaufruf 23.01.2013. <www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/geschichte/didaktik/weltgeschic....
     

  • Sachtext

    M 7 - Katholizismus im 19. Jahrhundert

    Der Katholizismus war auch im 19. Jahrhundert die in Frankreich vorherrschende Religion. Im Jahre 1872 galten 98 Prozent der Einwohner Frankreichs als Anhänger des katholischen Glaubens. Die Französische Revolution hatte in Frankreich zwar die Trennung von Staat und Kirche und eine wesentliche Verringerung des Grundbesitzes der Kirche bedeutet, dennoch waren katholische Moralvorstellungen für die französische Gesellschaft weiterhin von großer Bedeutung. Teil dieser Moralvorstellung war die Abwertung der weiblichen Sexualität, indem auf die Verführung Adams durch Eva Bezug genommen wurde. Mit dieser Begründung wurden Frauen als generell schutzbedürftig angesehen und dem Ehemann konnte die Bedeutung beigemessen werden, ihr diesen Schutz zu geben. Die zweite Möglichkeit, eine Frau vor den Verlockungen und Versuchungen der Welt zu „schützen“ stellte das Kloster dar. Auch in den kirchlichen Einrichtungen, in denen Barbin aufwuchs und später selbst lehrte, unterstanden die Frauen einem strengen Keuschheitsgelübde. Gerade dieses klösterliche Desinteresse am weiblichen Körper und der Umstand, dass Zärtlichkeiten im Geheimen ausgetauscht wurden, ermöglichten es Barbin allerdings, sich „normal“ zu fühlen und sich nicht eindeutig zum weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen zu müssen. Ihre nicht einem Mädchen entsprechende körperliche Entwicklung hätte außerhalb des Klosters vermutlich viel eher zu medizinischen und juristischen Untersuchungen geführt.

    Verwendete Literatur: Lafrance, Mélisse, Uncertain erotic: a foucauldian reading of Herculine Barbin dite Alexina B. In: Journal of Twentieth-century/contemporary French Studies 6 (2002), 119-131. Lambertz, Sigrid, “Die femme des lettres“ im „“Second Empire“. Juliette Adam, André Léo, Adèle Esquiros und ihre Auseinandersetzung mit dem weiblichen Rollenbild im 19. Jahrhundert. (= Saarbrücker Hochschulschriften 24). St. Ingbert 1994. Schneider, Christine, Kloster als Lebensform. Der Wiener Ursulinenkonvent in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts(1740-1790).(=L'HommeSchriften11).Wien 2005.

  • Sachtext

    M 8 - Katholische Kirche und Beichte im 19. Jahrhundert

    "Im Zuge [des] 19. Jahrhundert[s] sollte der Beichtvater  nicht nur die äußeren Handlungen, sondern auch die inneren Motivationen [des Beichtenden] erfassen, er sollte durch geschicktes und einfühlsames Befragen „ins Innerste des Gewissens“ vordringen. [...] Durch die Einführung der Beichtstühle wurde der Beichtvorgang dem Blick der Gemeinde entzogen. Dafür wurde der Kontakt des Einzelnen mit dem Klerus  intensiviert“ (Unfried 2006: 75).
    „Die Thematisierung von Fragen der Ehe und Sexualität im Rahmen der Beichte verlor an Selbstverständlichkeit in dem Ausmaß, als diese als „Privatangelegenheiten“ empfunden wurden. Schon Im 19. Jahrhundert machten französische Bischöfe darauf‚ ‚dass Eheleute nicht mehr gewillt waren, Fragen über ihr Intimleben zu beantworten‘“ (Unfried 2006: 127).
    „Die Verweiblichung der Religionsausübung und insbesondere der Beichtpraxis im 19. Jahrhundert ist ein vielfach konstatierter Trend. [...] In der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wurden dir religiösen Praktiken geradezu zu einer weiblichen Domäne“ (Unfried 2006: 119f).

    Gekürzt, vereinfacht, annotiert aus: Berthold Unfried, ‚Ich bekenne‘. Katholische Beichte und sowjetische Selbstkritik, Frankfurt/Main (Campus Verlag) 2006.

Arbeitsaufträge

Die Aufträge zu den Sachtexten (M 5 – M 8) befinden sich auf dem Arbeitsbogen Zeitstrahl (M 4).

I.  Lest und analysiert die folgenden Quellen (Q3-8), bei denen es sich um Ausschnitte aus Barbins Lebenserinnerungen handelt:

  • Benennt zu jeder Erinnerung Personen, mit denen sich Barbin auseinandersetzt und gesellschaftlichen Bereiche, mit denen diese Personen in Verbindung gebracht werden können.

Setzt die Quellen dafür in Beziehung zu den Texten zu Kirche, Kommunikationsmedien und Medizin im 19. Jahrhundert.