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Unterricht Frau ist nicht gleich Frau - Die Emanzipationsbewegung Ende der 1960er Jahre

In die Emanzipationsbewegung der deutschen Frauen, in der rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung gefordert wurde, wurden Arbeitsmigrantinnen nicht mit einbezogen.

Frau ist nicht gleich Frau - Die Emanzipationsbewegung Ende der 60er Jahre

Ende der 1960er Jahre kam es in Deutschland zu einer Emanzipationsbewegung: die deutschen Frauen forderten die rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung. Sie wollten das traditionelle Bild der „Hausfrau und Mutter“ aufbrechen und bestanden auf Unabhängigkeit.
In dem Prozess um die Emanzipation wurden aber Arbeitsmigrantinnen nicht mit einbezogen. Sie wurden aufgrund der Kategorien race und class diskriminiert. Die Emanzipation in der Bundesrepublik Deutschland war demnach eine nationale Bewegung privilegierter Frauen. Erst später öffnete sich diese Bewegung auch für die Arbeitsmigrantinnen.

Didaktische Anmerkung:

In diesem Baustein wiederholen die Schüler_innen die Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit, die sie in de letzten Stunden kennengelernt haben. Es soll ihnen deutlich gemacht werden, dass diese Bilder sich verändert haben und sich demnach immer wieder verändern können. Die Schüler_innen sollen Rückschlüsse auf die Gegenwart ziehen und erkennen, dass unsere heutigen Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit auch wandelbare Konstrukte sind.
Die Kategorien race, class und gender können noch einmal unter dem Aspekt der Identitätskonstruktion zusammengefasst werden.

  • Q11 Foto einer Familie aus den 1950er Jahren
    Quelle: http://www.alleswerbung.info/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=802&Itemid=14 Eingesehen am 30.12.2013
  • Q12 Statistik zu erwerbstätigen Frauen
    Quelle: www.bpb.de/system/files/pdf/O4NQPA.pdf eingesehen am 30.12.2013

Q13: Die Emanzipationsbewegung in den 1970er Jahren

In den 1970er Jahren entstand in der Bundesrepublik eine von Parteien unabhängige Frauenbewegung, in der Frauen für die Verwirklichung der Gleichberechtigung kämpften. Sie kritisierten die einseitige Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen und lehnten die traditionelle Rolle als „Hausfrau und Mutter“ ab.

Quelle: Funken, Walter / Koltrowitz, Bernd (Hrsg.): Geschichtsbuch, Geschichte plus, Berlin Volk und Wissen Verlag, 2002, S. 93.

Das Foto einer Familie aus den 1950er Jahren (Q11) wird von der Lehrkraft mit Hilfe des OH-Projektors an die Wand projiziert. Die Schüler_innen wiederholen die Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit, die sie in anderen Bausteinen erarbeitet haben. Sie stellen einen Vergleich zu heute an. Die Lehrkraft projiziert die Statistik zu erwerbstätigen Frauen (Q12) an die Wand. Die Schüler_innen erkennen, dass es einen Wandel im Bild von Weiblichkeit gab und erfahren von der Emanzipationsbewegung Ende der 1960er Jahre.

Arbeitsaufträge (Q11+Q12):

1. Seht euch das Foto einer Familie in den 1950er Jahren (Q11) an. Welches Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit tritt hier zum Vorschein?
2. Hat sich das Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit zu heute geändert?
3. Wie sah der Wandlungsprozess des Weiblichkeitsbildes aus?

Erarbeitung II (Q13-15)

Die Schüler_innen erkennen die Schwierigkeiten und Hindernisse der Emanzipationsbewegung, denn die Frauen waren meistens abhängig von ihrem Mann. Im Unterrichtsgespräch arbeiten die Schüler_innen heraus, dass man sich demonstrieren leisten können muss und dass aus diesem Grund Migrantinnen von dem Prozess ausgeschlossen waren.

Arbeitsaufträge:

Beziehe in die Beantwortung der folgenden Aufgabenstellung den Sachtext und die Quellen mit ein. Schreibe die Antworten stichpunktartig auf.

  1. Welche Grundforderungen von Seiten der Frauen sind den Texten zu entnehmen?
  2. Welche Schwierigkeiten kann es gegeben haben? Bedenke dabei die Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit die wir in den letzten Stunden erarbeitet haben.
  3. Was glaubst du, inwieweit waren Arbeitsmigrantinnen in den Prozess um die Emanzipation mit einbezogen?


Arbeitsaufträge (Q16):

  1. Wieso nahmen Arbeitsmigrantinnen nicht an der Emanzipationsbewegung teil? Beziehe in deine Überlegung die Kategorien race (Ethnie) und gender (Geschlecht) mit ein.
  2. Versetze Dich in die Lage einer Gastarbeiterin. Äußere Dich in einem Leserbrief über das wandelnde Bild der Weiblichkeit und deiner Position darin.

Auswertung und Sicherung

Schüler_innen erfahren, dass Migrantinnen diskriminiert wurden und nicht an der Emanzipationsbewegung teilnehmen konnten. Die Lehrkraft wirft die These auf, dass die Emanzipationsbewegung eine Bewegung privilegierter Frauen war. Im Plenum diskutieren die Schüler_innen über diese These. Sie sprechen über die Kategorien race, class und gender, die im Kampf um die Emanzipation eine große Rolle gespielt haben. Gastarbeiterinnen wurden aufgrund ihrer niedrigen sozialen Klasse (class) und ihrem Migrationshintergrund (race) von der Emanzipationsbewegung ausgeschlossen. Die Schüler_innen sichern ihre Ergebnisse, indem sie diese in einem Narrativ festhalten. Einige davon können im Plenum vorgelesen werden.


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Unterricht Frau ist nicht gleich Frau - Die Emanzipationsbewegung Ende der 1960er Jahre
Abstract

In die Emanzipationsbewegung der deutschen Frauen, in der rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung gefordert wurde, wurden Arbeitsmigrantinnen nicht mit einbezogen.

Hintergrund

Frau ist nicht gleich Frau - Die Emanzipationsbewegung Ende der 60er Jahre

Ende der 1960er Jahre kam es in Deutschland zu einer Emanzipationsbewegung: die deutschen Frauen forderten die rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung. Sie wollten das traditionelle Bild der „Hausfrau und Mutter“ aufbrechen und bestanden auf Unabhängigkeit.
In dem Prozess um die Emanzipation wurden aber Arbeitsmigrantinnen nicht mit einbezogen. Sie wurden aufgrund der Kategorien race und class diskriminiert. Die Emanzipation in der Bundesrepublik Deutschland war demnach eine nationale Bewegung privilegierter Frauen. Erst später öffnete sich diese Bewegung auch für die Arbeitsmigrantinnen.

Didaktische Anmerkung:

In diesem Baustein wiederholen die Schüler_innen die Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit, die sie in de letzten Stunden kennengelernt haben. Es soll ihnen deutlich gemacht werden, dass diese Bilder sich verändert haben und sich demnach immer wieder verändern können. Die Schüler_innen sollen Rückschlüsse auf die Gegenwart ziehen und erkennen, dass unsere heutigen Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit auch wandelbare Konstrukte sind.
Die Kategorien race, class und gender können noch einmal unter dem Aspekt der Identitätskonstruktion zusammengefasst werden.

Quellen / Material
  • Q11 Foto einer Familie aus den 1950er Jahren
    Quelle: http://www.alleswerbung.info/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=802&Itemid=14 Eingesehen am 30.12.2013
  • Q12 Statistik zu erwerbstätigen Frauen
    Quelle: www.bpb.de/system/files/pdf/O4NQPA.pdf eingesehen am 30.12.2013
  • Q13: Die Emanzipationsbewegung in den 1970er Jahren

    In den 1970er Jahren entstand in der Bundesrepublik eine von Parteien unabhängige Frauenbewegung, in der Frauen für die Verwirklichung der Gleichberechtigung kämpften. Sie kritisierten die einseitige Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen und lehnten die traditionelle Rolle als „Hausfrau und Mutter“ ab.

    Quelle: Funken, Walter / Koltrowitz, Bernd (Hrsg.): Geschichtsbuch, Geschichte plus, Berlin Volk und Wissen Verlag, 2002, S. 93.

  • Q14: Definition: Emanzipation

    DEFINITION: Emanzipation
    a. Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit; Gleichstellung
    b. rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung [der Frau mit dem Mann]

    Quelle: Duden: Definition „Emanzipation“, http://www.duden.de/suchen/dudenonline/Emanzipation, eingesehen am 12.01.2014.

  • Q15: Alice Schwarzer

    Die Herausgeberin einer Frauenzeitschrift, Alice Schwarzer, gab 1977 folgende Empfehlungen:

    „Auch Frauen, die noch ans Haus gebunden sind, weil sie kleine Kinder haben, sollten langfristig ihre Rückkehr in den Beruf vorbereiten. Zur Beratung und Unterstützung gibt es verschiedene Institutionen und Initiativen. Das geht von Arbeitsämtern über Familienberatung bis zu den unabhängigen Frauenzentren... Denn nur die Berufstätigkeit gewährt der Frau eine gewisse Unabhängigkeit vom eigenen Mann; nur die Berufsarbeit linder die soziale Isolation und hebt das Selbstwertgefühl von Frauen; nur die Berufsarbeit bricht zumindest partiell die traditionelle Frauenrolle auf. Vollhausfrauen sollten auf jeden Fall auch das Gespräch mit anderen Frauen in ihrer Situation suchen und Aufgaben wie Kinderbeaufsichtigung oder Einkauf zunehmend gemeinsam lösen.“

    Quelle: Schwarzer, Alice: Der „kleine Unterschied“ und seine Folgen, Fischer TB, Frankfurt/M. 1977, S. 227-231.

  • Q16: Arbeitsmigrantinnen und die Emanzipationsbewegung

    Migrantinnen funktionieren gewissermaßen als Katalysatoren für die Emanzipation und berufliche Besserstellung bundesdeutscher Frauen. Hier wird deutlich, inwieweit das proklamierte Wir der bundesdeutschen Frauenbewegung immer ein national partikulares war. Die Ausbeutung und Ausgrenzung von Migrantinnen war zu Hochzeiten der neuen Frauenbewegung immer nur ein Randthema. Migrantinnen wurden eher als bedauernswerte Opfer gesehen und weniger >solidarische Schwestern<, die gleichberechtigt im Wir des Emanzipationsdiskurses mitgedacht werden.

    Der einsetzende Strukturwandel Mitte der 70er Jahre trifft Migrantinnen wiederum mit besonderer Härte. In Zusammenhang mit Rationalisierungsmaßnahmen bauen die Unternehmen gezielt Arbeitsplätze ab; es sind gerade die, in den Migrantinnen bis dahin vorrangig beschäftigt waren. Sie sind nun zunehmend erwerbslos und finden schlechter einen neuen Arbeitsplatz. Monika Mattes zeichnet nach, inwieweit auch eine diskriminierende Vergabe der Arbeitserlaubnis dazu verhalf, Migrantinnen aus dem Arbeitsmarkt zu drängen. So wurde etwa eine Arbeitserlaubnis nur verlängert, wenn eine Mutter einen Kindergartenplatz nachweisen konnte. Was, wie Monika Mattes darlegt, selten vorkam.

    Quelle: Castro Varela, María do Mar: Zur Skandalisierung und Re-Politisierung eines bekannten Themas: ,Migrantinnen und auf dem Arbeitsmarkt´, in: Migration, Gender, Arbeitsmarkt, neue Beiträge zu Frauen und Globalisierung, hrsg. v. María do Mar Castro Varela/ Dimitria Clayton, Königsstein 2003, S. 17-18.

Arbeitsaufträge

Das Foto einer Familie aus den 1950er Jahren (Q11) wird von der Lehrkraft mit Hilfe des OH-Projektors an die Wand projiziert. Die Schüler_innen wiederholen die Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit, die sie in anderen Bausteinen erarbeitet haben. Sie stellen einen Vergleich zu heute an. Die Lehrkraft projiziert die Statistik zu erwerbstätigen Frauen (Q12) an die Wand. Die Schüler_innen erkennen, dass es einen Wandel im Bild von Weiblichkeit gab und erfahren von der Emanzipationsbewegung Ende der 1960er Jahre.

Arbeitsaufträge (Q11+Q12):

1. Seht euch das Foto einer Familie in den 1950er Jahren (Q11) an. Welches Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit tritt hier zum Vorschein?
2. Hat sich das Verständnis von Männlichkeit und Weiblichkeit zu heute geändert?
3. Wie sah der Wandlungsprozess des Weiblichkeitsbildes aus?

Erarbeitung II (Q13-15)

Die Schüler_innen erkennen die Schwierigkeiten und Hindernisse der Emanzipationsbewegung, denn die Frauen waren meistens abhängig von ihrem Mann. Im Unterrichtsgespräch arbeiten die Schüler_innen heraus, dass man sich demonstrieren leisten können muss und dass aus diesem Grund Migrantinnen von dem Prozess ausgeschlossen waren.

Arbeitsaufträge:

Beziehe in die Beantwortung der folgenden Aufgabenstellung den Sachtext und die Quellen mit ein. Schreibe die Antworten stichpunktartig auf.

  1. Welche Grundforderungen von Seiten der Frauen sind den Texten zu entnehmen?
  2. Welche Schwierigkeiten kann es gegeben haben? Bedenke dabei die Bilder von Weiblichkeit und Männlichkeit die wir in den letzten Stunden erarbeitet haben.
  3. Was glaubst du, inwieweit waren Arbeitsmigrantinnen in den Prozess um die Emanzipation mit einbezogen?


Arbeitsaufträge (Q16):

  1. Wieso nahmen Arbeitsmigrantinnen nicht an der Emanzipationsbewegung teil? Beziehe in deine Überlegung die Kategorien race (Ethnie) und gender (Geschlecht) mit ein.
  2. Versetze Dich in die Lage einer Gastarbeiterin. Äußere Dich in einem Leserbrief über das wandelnde Bild der Weiblichkeit und deiner Position darin.

Auswertung und Sicherung

Schüler_innen erfahren, dass Migrantinnen diskriminiert wurden und nicht an der Emanzipationsbewegung teilnehmen konnten. Die Lehrkraft wirft die These auf, dass die Emanzipationsbewegung eine Bewegung privilegierter Frauen war. Im Plenum diskutieren die Schüler_innen über diese These. Sie sprechen über die Kategorien race, class und gender, die im Kampf um die Emanzipation eine große Rolle gespielt haben. Gastarbeiterinnen wurden aufgrund ihrer niedrigen sozialen Klasse (class) und ihrem Migrationshintergrund (race) von der Emanzipationsbewegung ausgeschlossen. Die Schüler_innen sichern ihre Ergebnisse, indem sie diese in einem Narrativ festhalten. Einige davon können im Plenum vorgelesen werden.