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Unterricht Hatte das Osmanische Reich in Europa nur Freunde und Verbündete?

Hier soll zunächst Basiswissen über das Osmanische Reich anhand eines historischen Gemäldes und einer Landkarte vermittelt werden.

Dieser Baustein bezieht sich noch nicht direkt auf das Thema der Unterrichtsreihe. Sein Ziel ist es, den Schülern_innen zunächst Basiswissen über das Osmanische Reich zu vermitteln. Als Einstieg dient ein Bild des französischen Malers Pierre-Denis Martin (Q1), das den osmanischen Gesandten Mehmed Efendi (mit vollem Namen Yirmisekiz Mehmed Çelebi Efendi) zeigt, der nach einer Audienz beim französischen König Ludwig XV. mit einer Parade und unter den Augen vieler Schaulustiger verabschiedet wird. 1
Die diplomatische Mission Mehmed Efendis, der sich fast ein Jahr lang in Paris aufhielt, ist beispielhaft für Gesandtschaften des Osmanischen Reiches, die unter den europäischen Staaten Verbündete gewinnen sollten. Nicht nur zu Frankreich, auch zu Preußen unterhielten die Sultane gute Beziehungen und 1763 war zum ersten Mal ein osmanischer Botschafter in Berlin am Hof Friedrichs II. Die europäischen Mächte entsandten ihrerseits Diplomaten ins Osmanische Reich, die Handels- und Friedensverträge sowie Bündnisse schlossen. 2 Bewusst wurde für den Einstieg eine Quelle gewählt, die den Schwerpunkt nicht auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Europa und dem Osmanischen Reich legt, sondern auf die diplomatischen Beziehungen. Dies zeigt den Schüler_innen, dass das Osmanische Reich in Europa nicht nur auf Ablehnung stieß, sondern genau wie jeder europäische Staat sowohl Feinde als auch Verbündete hatte. Die Kriege zwischen dem Osmanischen Reich und einigen der europäischen Staaten können also nicht allein von einem religiösen Standpunkt aus erklärt werden.

Didaktische Anmerkung:
Die Analyse des Bildes von Pierre-Denis Martin ermöglicht einen guten Anschluss an vorherige Unterrichtsreihen zum Absolutismus in Frankreich. Die Schüler_innen können auf dieser Basis die Truppen der Parade als Europäer_innen beziehungsweise Franzosen und Französinnen identifizieren und in Bezug auf den Titel des Bildes die Szene historisch einordnen. In diesem Zusammenhang wird ihnen Mehmed Efendi mit seinem Turban und seiner osmanischen Tracht schnell ins Auge fallen und sie können sich fragen, wer dieser Mann ist, woher er kommt und warum der französische König ihn mit einer so großen Parade verabschiedet. Darauf aufbauend kann zur Fragestellung des Bausteins übergeleitet werden: „Hatte das Osmanische Reich in Europa nur Freunde und Verbündete?“

  • Q1: „Abreise Mehmed Efendis vom Tuilerienpalast in Paris am 21. März 1721“
    Q1: „Abreise Mehmed Efendis vom Tuilerienpalast in Paris am 21. März 1721“ (Sortie de l'ambassadeur, 1721), Öl auf Leinwand, von Pierre-Denis Martin (1663 – 1742), um 1722, Musée Carnavalet, Paris. (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sortie de l Ambassadeur 1721.jpg)
  • M2: Historische Karte: Das Osmanische Reich und Europa (um 1740)
    M2: Historische Karte: Das Osmanische Reich und Europa (um 1740) (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Europe 1748-1766.png) [Angepasst durch die Autoren]

M1 Sachtext: Das Osmanische Reich und Europa
Mehmed Efendi war ein Botschafter des Osmanischen Reiches, das im Mittelalter entstanden war und von einem sogenannten Sultan beherrscht wurde. 1721 war dieser Sultan Ahmed III., dessen Reich Ägypten, Tunesien, Syrien und große Teile der arabischen Halbinsel umfasste. Am Schwarzen Meer war nur noch das Volk der Tscherkessen unabhängig, alle anderen Länder wurden ebenfalls vom Sultan beherrscht. Im Zentrum des Reiches lagen Anatolien und Karaman, die heutige Türkei, und der Sultan hatte seinen Palast in der Stadt Istanbul.
Zu Konflikten mit europäischen Staaten kam es auf der Balkanhalbinsel, auf der das Osmanische Reich Länder wie Bosnien, Serbien, Rumelien, Morea, Bulgarien und die Wallachei erobert hatte. Die Armeen des Sultans kämpften hier gegen die Truppen von Russland und Österreich-Ungarn, die sich vor einer weiteren Ausdehnung des Osmanischen Reiches fürchteten.
Aber der Sultan hatte unter den europäischen Staaten nicht nur Feinde. Gesandte wie Mehmed Efendi brachen unter anderem nach Frankreich und Preußen-Brandenburg auf und konnten diese Länder als Verbündete für das Osmanische Reich gewinnen. Auch die europäischen Staaten schickten Diplomaten nach Istanbul, um Friedens- und Handelsverträge sowie Bündnisse zu schließen. Vor allem Frankreich wurde ein wichtiger Bündnispartner des Osmanischen Reiches und verdiente viel Geld mit dem Handel wertvoller osmanischer Güter in Europa.

(nach: Badisches Landesmuseum: Virtuelles Museum „Karlsruher Türkenbeute“. Osmanische Außenpolitik, http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_ges/OsmanischeAussenpol_de.php (zuletzt abgerufen am: 14.1.2014)).

Erarbeitung und Sicherung:
Um die Frage der Unterrichtsstunde zu beantworten und bei den Schüler_innen ein Bewusstsein für die Ausdehnung und den Einfluss des Osmanischen Reiches zu wecken, bearbeiten sie in dieser Phase in Partnerarbeit den kurzen Sachtext M1. Mit dem gewonnenen Wissen sollen sie im Anschluss die politische Karte Europas M2 beschriften und die wichtigsten der europäischen Bündnispartner und Feinde des Osmanischen Reiches markieren.

Arbeitsaufträge:
1. Markiere gemeinsam mit deinem_r Sitznachbarn_in auf der Karte M2, welche Gebiete zum Osmanischen Reich gehörten.
2. Hebe gemeinsam mit deinem_r Sitznachbarn_in auf der Karte M2 die Verbündeten und Feinde des Osmanischen Reiches in Europa farblich hervor.
3. Die Hauptreligion des Osmanischen Reiches war nicht das Christentum, sondern der Islam. Erörtere mit deinem_r Sitznachbarn_in, ob dies bei den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Osmanischen Reich und europäischen Staaten eine Rolle gespielt haben könnte.

Auswertung:
Nach dem Vergleich der selbst beschrifteten Karten in der gesamten Klasse, kann auch Arbeitsauftrag 3, der bereits in Partnerarbeit vorbereitend besprochen wurde, im Klassengespräch diskutiert werden. Hierbei können die Schüler_innen ihr Vorwissen zum Islam und zum Christentum sowie zu religiösen Konflikten wie den Kreuzzügen und dem Dreißigjährigen Krieg einbringen und auf dieser Basis die Bündnisse und Konflikte zwischen dem Osmanischen Reich und den Europäischen Staaten beurteilen. Auch auf die Karte können sie sich direkt beziehen, indem sie auf die geographische Nähe beziehungsweise Ferne der entscheidenden Staaten hinweisen.


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Unterricht Hatte das Osmanische Reich in Europa nur Freunde und Verbündete?
Abstract

Hier soll zunächst Basiswissen über das Osmanische Reich anhand eines historischen Gemäldes und einer Landkarte vermittelt werden.

Hintergrund

Dieser Baustein bezieht sich noch nicht direkt auf das Thema der Unterrichtsreihe. Sein Ziel ist es, den Schülern_innen zunächst Basiswissen über das Osmanische Reich zu vermitteln. Als Einstieg dient ein Bild des französischen Malers Pierre-Denis Martin (Q1), das den osmanischen Gesandten Mehmed Efendi (mit vollem Namen Yirmisekiz Mehmed Çelebi Efendi) zeigt, der nach einer Audienz beim französischen König Ludwig XV. mit einer Parade und unter den Augen vieler Schaulustiger verabschiedet wird. 1
Die diplomatische Mission Mehmed Efendis, der sich fast ein Jahr lang in Paris aufhielt, ist beispielhaft für Gesandtschaften des Osmanischen Reiches, die unter den europäischen Staaten Verbündete gewinnen sollten. Nicht nur zu Frankreich, auch zu Preußen unterhielten die Sultane gute Beziehungen und 1763 war zum ersten Mal ein osmanischer Botschafter in Berlin am Hof Friedrichs II. Die europäischen Mächte entsandten ihrerseits Diplomaten ins Osmanische Reich, die Handels- und Friedensverträge sowie Bündnisse schlossen. 2 Bewusst wurde für den Einstieg eine Quelle gewählt, die den Schwerpunkt nicht auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Europa und dem Osmanischen Reich legt, sondern auf die diplomatischen Beziehungen. Dies zeigt den Schüler_innen, dass das Osmanische Reich in Europa nicht nur auf Ablehnung stieß, sondern genau wie jeder europäische Staat sowohl Feinde als auch Verbündete hatte. Die Kriege zwischen dem Osmanischen Reich und einigen der europäischen Staaten können also nicht allein von einem religiösen Standpunkt aus erklärt werden.

Didaktische Anmerkung:
Die Analyse des Bildes von Pierre-Denis Martin ermöglicht einen guten Anschluss an vorherige Unterrichtsreihen zum Absolutismus in Frankreich. Die Schüler_innen können auf dieser Basis die Truppen der Parade als Europäer_innen beziehungsweise Franzosen und Französinnen identifizieren und in Bezug auf den Titel des Bildes die Szene historisch einordnen. In diesem Zusammenhang wird ihnen Mehmed Efendi mit seinem Turban und seiner osmanischen Tracht schnell ins Auge fallen und sie können sich fragen, wer dieser Mann ist, woher er kommt und warum der französische König ihn mit einer so großen Parade verabschiedet. Darauf aufbauend kann zur Fragestellung des Bausteins übergeleitet werden: „Hatte das Osmanische Reich in Europa nur Freunde und Verbündete?“

Quellen / Material
  • Q1: „Abreise Mehmed Efendis vom Tuilerienpalast in Paris am 21. März 1721“
    Q1: „Abreise Mehmed Efendis vom Tuilerienpalast in Paris am 21. März 1721“ (Sortie de l'ambassadeur, 1721), Öl auf Leinwand, von Pierre-Denis Martin (1663 – 1742), um 1722, Musée Carnavalet, Paris. (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sortie de l Ambassadeur 1721.jpg)
  • M2: Historische Karte: Das Osmanische Reich und Europa (um 1740)
    M2: Historische Karte: Das Osmanische Reich und Europa (um 1740) (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Europe 1748-1766.png) [Angepasst durch die Autoren]
  • M1 Sachtext: Das Osmanische Reich und Europa
    Mehmed Efendi war ein Botschafter des Osmanischen Reiches, das im Mittelalter entstanden war und von einem sogenannten Sultan beherrscht wurde. 1721 war dieser Sultan Ahmed III., dessen Reich Ägypten, Tunesien, Syrien und große Teile der arabischen Halbinsel umfasste. Am Schwarzen Meer war nur noch das Volk der Tscherkessen unabhängig, alle anderen Länder wurden ebenfalls vom Sultan beherrscht. Im Zentrum des Reiches lagen Anatolien und Karaman, die heutige Türkei, und der Sultan hatte seinen Palast in der Stadt Istanbul.
    Zu Konflikten mit europäischen Staaten kam es auf der Balkanhalbinsel, auf der das Osmanische Reich Länder wie Bosnien, Serbien, Rumelien, Morea, Bulgarien und die Wallachei erobert hatte. Die Armeen des Sultans kämpften hier gegen die Truppen von Russland und Österreich-Ungarn, die sich vor einer weiteren Ausdehnung des Osmanischen Reiches fürchteten.
    Aber der Sultan hatte unter den europäischen Staaten nicht nur Feinde. Gesandte wie Mehmed Efendi brachen unter anderem nach Frankreich und Preußen-Brandenburg auf und konnten diese Länder als Verbündete für das Osmanische Reich gewinnen. Auch die europäischen Staaten schickten Diplomaten nach Istanbul, um Friedens- und Handelsverträge sowie Bündnisse zu schließen. Vor allem Frankreich wurde ein wichtiger Bündnispartner des Osmanischen Reiches und verdiente viel Geld mit dem Handel wertvoller osmanischer Güter in Europa.

    (nach: Badisches Landesmuseum: Virtuelles Museum „Karlsruher Türkenbeute“. Osmanische Außenpolitik, http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_ges/OsmanischeAussenpol_de.php (zuletzt abgerufen am: 14.1.2014)).

Arbeitsaufträge

Erarbeitung und Sicherung:
Um die Frage der Unterrichtsstunde zu beantworten und bei den Schüler_innen ein Bewusstsein für die Ausdehnung und den Einfluss des Osmanischen Reiches zu wecken, bearbeiten sie in dieser Phase in Partnerarbeit den kurzen Sachtext M1. Mit dem gewonnenen Wissen sollen sie im Anschluss die politische Karte Europas M2 beschriften und die wichtigsten der europäischen Bündnispartner und Feinde des Osmanischen Reiches markieren.

Arbeitsaufträge:
1. Markiere gemeinsam mit deinem_r Sitznachbarn_in auf der Karte M2, welche Gebiete zum Osmanischen Reich gehörten.
2. Hebe gemeinsam mit deinem_r Sitznachbarn_in auf der Karte M2 die Verbündeten und Feinde des Osmanischen Reiches in Europa farblich hervor.
3. Die Hauptreligion des Osmanischen Reiches war nicht das Christentum, sondern der Islam. Erörtere mit deinem_r Sitznachbarn_in, ob dies bei den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Osmanischen Reich und europäischen Staaten eine Rolle gespielt haben könnte.

Auswertung:
Nach dem Vergleich der selbst beschrifteten Karten in der gesamten Klasse, kann auch Arbeitsauftrag 3, der bereits in Partnerarbeit vorbereitend besprochen wurde, im Klassengespräch diskutiert werden. Hierbei können die Schüler_innen ihr Vorwissen zum Islam und zum Christentum sowie zu religiösen Konflikten wie den Kreuzzügen und dem Dreißigjährigen Krieg einbringen und auf dieser Basis die Bündnisse und Konflikte zwischen dem Osmanischen Reich und den Europäischen Staaten beurteilen. Auch auf die Karte können sie sich direkt beziehen, indem sie auf die geographische Nähe beziehungsweise Ferne der entscheidenden Staaten hinweisen.