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Unterricht Homosexualität als Gegenstand (sexual-)ethischer Diskurse

Bei der Betrachtung des ethischen Diskurses wird deutlich, wie sehr Auffassungen über Homosexualität voneinander abweichen können.

Dass Zuordnungen wie „heterosexuell“ und „homosexuell“ oder gar „natürliche Liebe“ und „unnatürliche Liebe“ eben keineswegs „natürlich“ oder selbstverständlich sind, sondern als Konstrukte der jeweiligen Gesellschaft angesehen werden müssen 1, kann bei der Betrachtung der Situation Homosexueller in der DDR anschaulich vermittelt werden: Die medizinischen Diskurse und die Bemühungen der Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR blieben nicht ohne Wirkung auf die gesellschaftliche Wahrnehmung der Homosexuellen und ihren Rechtsstatus. Bei der Betrachtung des ethischen Diskurses wird deutlich, wie sehr Auffassungen über Homosexualität voneinander abweichen können. Die „Empfehlungen“ zum Umgang mit Homosexuellen und die negative Bewertung der Homosexualität 2 fordern die Schüler_innen dazu heraus, diese Vorschläge zu bewerten und eine eigene Ansicht zu formulieren. Außerdem können die Quellen sehr gut auf ihre Grundlagen, die medizinischen Ansichten und das Ideal der Reproduktion 3, zurückgeführt werden, da mit ihnen eindeutig und damit anschaulich argumentiert wird.

  • 1. vgl. Degele, Gender/Queer Studies, S. 84ff.
  • 2. vgl. K. Bach, Geschlechtererziehung, S. 255f.
  • 3. vgl. ebd.

Q14: Kurt Bach über die Ursachen der 1

Die Ursachen für die Entstehung der Homosexualität sind noch nicht exakt zu bestimmen. Mögliche Ursachen können sein:

  1. Hormonhaushalt verändert.
  2. Chromosomenabweichungen.
  3. Fehlerziehung in der Kindheit.

So kann die dominierende Rolle der Mutter in der Familie, die herrschsüchtig, kalt und böse auf das Kind wirkt, den Jungen zum weichen, gefühlsbetonten Vater führen und schon früh eine unbewußte Neigung des Jungen zum eigenen Geschlecht anbahnen. Die Enttäuschung des Jungen durch die Mutter führt zur Abkehr von ihr, zum Haß auf sie und zur Hinwendung und Zuflucht zu einem Mann. Die Rolle, die bei den Jungen die Mutter spielt, kann bei den Mädchen der Vater spielen.

4. Umwelteinflüsse (Verführung durch andere?).

Je früher ein solcher Mensch seine Fehlhaltung bemerkt, desto erfolgreicher kann eine medizinische Behandlung sein. Viele Menschen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Homosexuellen. Aber nur wenige Männer oder Frauen werden dadurch homosexuell. Bis zur Einführung des neuen Strafgesetzbuches in der DDR (1968) wurde die männliche Homosexualität bestraft. Dadurch wurden die Homosexuellen sehr oft Objekte für Erpresser. Es hingen viele Folgestraftaten mit der Homosexualität zusammen, die aber nicht durch die Homosexuellen selbst verursacht wurden. Da die Homosexualität unter Erwachsenen für die Gemeinschaft Menschen ungefährlich ist, entfiel der Strafgrund. Nur die Nötigung zu homosexuellen Handlungen und der homosexuelle Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen stehen noch unter Strafe
(§§ 122, 148, 151 StGB); nach diesen Bestimmungen können Männer und Frauen bestraft werden. Die öffentliche Meinung ist meist gegen die Homosexuellen. Sie werden nicht selten mit den übelsten Namen und Bezeichnungen belegt. Davon sollte man sich distanzieren. Homosexuelles Verhalten ist nicht »verbrecherisch«, »verderblich«, »sündhaft«.

Man sollte sich nicht mit Homosexuellen befreunden oder ihre Gesellschaft aufsuchen, aber man soll sie auch nicht verunglimpfen. Wir wollen alle menschlichen Persönlichkeiten achten und nach ihren Leistungen, nach ihrem Charakter beurteilen. Unter den Homosexuellen gibt es bedeutende Künstler und Wissenschaftler. Mitunter leben sie ganz zurück-gezogen allein oder mit einem gleichveranlagten Partner, mitunter treffen sie sich in bestimmten Lokalen.

  • 1.  Kurt Bach: Geschlechterziehung in der sozialistischen Oberschule, Berlin 1974, S. 255f.

Die Schüler_innen erarbeiten sich den Umgang mit Homosexualität in der DDR aus zwei bis vier verschiedenen Perspektiven. Dafür werden die Schüler_innen in Gruppen aufgeteilt und die Gruppen den verschiedenen Perspektiven zugeteilt. Bei der Betrachtung der einzelnen Perspektiven können die Schüler_innen der Frage nachgehen, inwiefern die Kategorie „Geschlecht“ eine Gesellschaft bestimmt. Die Betrachtung des ethischen Diskurses ermöglicht den Schüler_innen insbesondere, herauszuarbeiten, welche gesellschaftlichen Normen für den Umgang mit Geschlecht galten und wie Homosexuelle mit Hilfe dieser Normen ausgegrenzt wurden. Gleichzeitig können die Schüler_innen durch das Interpretieren und Vergleichen der einzelnen Quellen feststellen, dass auch diese gesellschaftlichen Normen Konstrukte darstellten, denen Annahmen zu Grunde lagen, die keineswegs zwangsläufig oder unveränderlich waren.

Die Schüler_innen halten die Ergebnisse auf Plakaten fest, um ihre jeweilige Perspektive den anderen Gruppen vorstellen zu können. Die Präsentation der Plakate geschieht dabei nicht im Plenum, sondern in einem Rundgang in Kleingruppen, um mög-lichst alle Schüler_innen zu aktivieren und zur Auseinandersetzung mit den Plakaten zu veranlassen.

Im sich anschließenden Stuhlkreis sollen die Schüler_innen ihre Argumente vorstellen und gemeinsam überlegen, wie sich die verschiedenen Perspektiven, Diskurse und Aktivitäten beeinflusst haben.

Aufgaben zu Q14 – Q16:

  1. Untersucht die vorliegenden Quellenausschnitte unter der Leitfrage, welche Forderun-gen in der (sexual-)ethischen Auseinandersetzung mit der Homosexualität zwischen den 1960er und 1980er Jahren erhoben worden sind. Die folgenden Fragen und Teilaufgaben die-nen dabei der Orientierung:

    a) Wie wurden Homosexualität und Homosexuelle in (sexual-)ethischen Diskursen bewertet? Lässt sich eine Entwicklungslinie erkennen? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen leitete man aus dieser Beurteilung ab?
    b) Welche kulturellen Vorstellungen und Leitbilder von „normaler“ Sexualität und  Männlichkeit liegen der Deutung der Homosexualität zugrunde?
    c) Achtet jeweils auf den Argumentationsgang und versucht anhand der getroffenen Aussagen abzuleiten, welche oft nicht verbalisierten Vorannahmen den Text maßgeblich bestimmen.

     

  2. Haltet Eure Ergebnisse auf einem Plakat fest! Falls Ihr eine eindeutige Entwicklungs-linie ausmachen könnt, versuche diese grafisch wiederzugeben!
  3. Präsentiert euer Plakat den übrigen Gruppen!
  4. Heftet eure Plakate an die Tafel! Bei der Präsentation der Plakate habt ihr sicherlich gemerkt, dass ihr in euren Gruppen den Umgang mit Homosexualität aus je einer anderen Perspektive erarbeitet habt. Bildet jetzt einen Stuhlkreis und diskutiert gemeinsam, in wie fern sich diese vier Auffassungen/ Diskurse beeinflusst haben!

    Hinweis: Beantwortet dafür zum Beispiel folgende Fragen:
    1) In wie fern stimmen die Entwicklung des medizinisch-ethischen Diskurses und die Entwicklung des Strafrechts überein?
    2) Welchen Einfluss hatten die Aktivitäten der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung in der DDR auf den dortigen Umgang mit Homosexualität?


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Unterricht Homosexualität als Gegenstand (sexual-)ethischer Diskurse
Abstract

Bei der Betrachtung des ethischen Diskurses wird deutlich, wie sehr Auffassungen über Homosexualität voneinander abweichen können.

Hintergrund

Dass Zuordnungen wie „heterosexuell“ und „homosexuell“ oder gar „natürliche Liebe“ und „unnatürliche Liebe“ eben keineswegs „natürlich“ oder selbstverständlich sind, sondern als Konstrukte der jeweiligen Gesellschaft angesehen werden müssen 1, kann bei der Betrachtung der Situation Homosexueller in der DDR anschaulich vermittelt werden: Die medizinischen Diskurse und die Bemühungen der Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR blieben nicht ohne Wirkung auf die gesellschaftliche Wahrnehmung der Homosexuellen und ihren Rechtsstatus. Bei der Betrachtung des ethischen Diskurses wird deutlich, wie sehr Auffassungen über Homosexualität voneinander abweichen können. Die „Empfehlungen“ zum Umgang mit Homosexuellen und die negative Bewertung der Homosexualität 2 fordern die Schüler_innen dazu heraus, diese Vorschläge zu bewerten und eine eigene Ansicht zu formulieren. Außerdem können die Quellen sehr gut auf ihre Grundlagen, die medizinischen Ansichten und das Ideal der Reproduktion 3, zurückgeführt werden, da mit ihnen eindeutig und damit anschaulich argumentiert wird.

  • 1. vgl. Degele, Gender/Queer Studies, S. 84ff.
  • 2. vgl. K. Bach, Geschlechtererziehung, S. 255f.
  • 3. vgl. ebd.
Quellen / Material
  • Q14: Kurt Bach über die Ursachen der 1

    Die Ursachen für die Entstehung der Homosexualität sind noch nicht exakt zu bestimmen. Mögliche Ursachen können sein:

    1. Hormonhaushalt verändert.
    2. Chromosomenabweichungen.
    3. Fehlerziehung in der Kindheit.

    So kann die dominierende Rolle der Mutter in der Familie, die herrschsüchtig, kalt und böse auf das Kind wirkt, den Jungen zum weichen, gefühlsbetonten Vater führen und schon früh eine unbewußte Neigung des Jungen zum eigenen Geschlecht anbahnen. Die Enttäuschung des Jungen durch die Mutter führt zur Abkehr von ihr, zum Haß auf sie und zur Hinwendung und Zuflucht zu einem Mann. Die Rolle, die bei den Jungen die Mutter spielt, kann bei den Mädchen der Vater spielen.

    4. Umwelteinflüsse (Verführung durch andere?).

    Je früher ein solcher Mensch seine Fehlhaltung bemerkt, desto erfolgreicher kann eine medizinische Behandlung sein. Viele Menschen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Homosexuellen. Aber nur wenige Männer oder Frauen werden dadurch homosexuell. Bis zur Einführung des neuen Strafgesetzbuches in der DDR (1968) wurde die männliche Homosexualität bestraft. Dadurch wurden die Homosexuellen sehr oft Objekte für Erpresser. Es hingen viele Folgestraftaten mit der Homosexualität zusammen, die aber nicht durch die Homosexuellen selbst verursacht wurden. Da die Homosexualität unter Erwachsenen für die Gemeinschaft Menschen ungefährlich ist, entfiel der Strafgrund. Nur die Nötigung zu homosexuellen Handlungen und der homosexuelle Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen stehen noch unter Strafe
    (§§ 122, 148, 151 StGB); nach diesen Bestimmungen können Männer und Frauen bestraft werden. Die öffentliche Meinung ist meist gegen die Homosexuellen. Sie werden nicht selten mit den übelsten Namen und Bezeichnungen belegt. Davon sollte man sich distanzieren. Homosexuelles Verhalten ist nicht »verbrecherisch«, »verderblich«, »sündhaft«.

    Man sollte sich nicht mit Homosexuellen befreunden oder ihre Gesellschaft aufsuchen, aber man soll sie auch nicht verunglimpfen. Wir wollen alle menschlichen Persönlichkeiten achten und nach ihren Leistungen, nach ihrem Charakter beurteilen. Unter den Homosexuellen gibt es bedeutende Künstler und Wissenschaftler. Mitunter leben sie ganz zurück-gezogen allein oder mit einem gleichveranlagten Partner, mitunter treffen sie sich in bestimmten Lokalen.

    • 1.  Kurt Bach: Geschlechterziehung in der sozialistischen Oberschule, Berlin 1974, S. 255f.
  • Q15: Julian Godlewski über Homosexualität / „deviante männliche 1

    Es ist kaum möglich eine Abnormalität zu definieren, wenn man über eine Definition des entsprechenden Normalen nicht verfügt. Wenn die Definition der Sexualdeviation vom biologischen Standpunkt formuliert sein soll, so muß auch die Normalität in derselben Kategorie aufgefaßt werden. Normales, oder aber Sexualdeviation kann an sich nicht observiert werden. Man kann darüber nur auf Grund des Sexualverhaltens schließen. Dieses Verhalten kann man vom teleonomischen [d. h. von einem umfassenden Zweck regiert bzw. reguliert, K.S.] Standpunkt seiner Zweckmäßigkeit für die Dauer der Gattung, betrachten. Von diesem Standpunkt aus hat das Sexualverhalten drei Hauptfunktionen zu erfüllen. Die erste ist die reproduktive. Sie ist mit der Befruchtung unmittelbar verbunden. Die zweite ist eine psychologische. Sie betrifft die Befriedigung des Sexualbedürfnisses. Die dritte Punktion ist die soziale. Sie beruht auf dem Prinzip der Reduktion der Aggression und bildet eine Grundlage für den Aufbau des Bundes zwischen Mann und Frau. […]

    Normales Sexualverhalten muß nicht von Erfüllung der drei genannten Punktionen gekennzeichnet sein. Aber seine strukturellen Hauptzüge dürfen diese Erfüllung potentiell praktisch nicht ausschließen. Es rechnen dabei einerseits die potentiellen Möglichkeiten oder Wahrscheinlichkeiten und andererseits die strukturellen Hauptzüge des Sexualverhaltens. […]

    Die Kontrazeption [= Empfängnisverhütung, K.S.] schließt die Normalität des Sexualverhaltens nicht aus. Sie ist nämlich kein struk-turelles Element des Verhaltens und kann willkürlich abgeschafft werden. Dies betrifft auch die extragenitalen Kontakte an sich, soweit sie willkürlich abgeschafft und durch genital-genitale Kontakte ersetzt werden können. Dagegen ist in dieser Auffassung z. B. das exhibi-tionistische Sexualverhalten nicht normal. Hier ist der strukturelle Hauptzug der Appetenz [= Begehren, Sexualverlangen, K.S.] fehlerhaft: das appetitive Verhalten wird vorzeitig abgebrochen und die Konsumation erfolgt auf eine Art, die die Reproduktion (sonst aber auch die Befriedigung des Partners und den Bund mit ihm) ausschließt. Im Homosexualismus, in der Paedophilie usw. schließt die biologische Unrichtigkeit des Objektes die Erfüllung der reproduktiven Funktion aus.

    • 1.  Julian Godlewski: Definition und Diagnose der Sexualdeviationen, in: Die Sexualität des Mannes, Jena 1981, S. 105-107.
  • Q16: Philosophin Helga E. Hörz zum Umgang mit Homosexuellen 1

    In der sozialistischen Gesellschaftsordnung besteht die Möglichkeit zur humanen Gestaltung menschlicher Beziehungen und zu einem sinnvollen Leben für alle. Ein sinnvolles, also ein, die humane Gesellschaftsentwicklung mit gestaltendes Leben, soll auch ein persönlich erfolgreiches Leben sein. Darauf haben homophile Bürger gleichfalls Anrecht. Im Artikel 10 (1) der Verfassung der DDR heißt es: „Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat unabhängig von seiner Nationalität, seiner Rasse, seinem weltanschaulichen oder religiösen Bekenntnis, seiner sozialen Herkunft und Stellung die gleichen Rechte und Pflichten. Gewissens- und Glaubensfreiheit sind gewährleistet.

    Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich." Das schließt auch die Diskriminierung homophiler Bürger, wenn sie nicht politische und moralische Normen des Sozialismus verletzen, aus. Es entspricht der von Lenin begründeten Position von der freien Entscheidung der Persönlichkeit über ihre Handlungen und ihren eigenen Körper, Homophilie als Art des Zusammenlebens und des sexuellen Verhaltens nicht mora-lisch zu verurteilen. Unmoralisches Verhalten ihnen gegenüber zwingt dazu, alles zu tun, um für homophile Bürger die garantierten Verfassungsrechte durch örtliche Organe, Kollektive, direkte Umgebung und öffentliche Meinung überall durchzusetzen. So ist der manchmal geforderte Arbeitsplatz- und Arbeitsstellenwechsel, trotz nachgewiesener Fähigkeiten, wegen der Verurteilung homosexuellen Verhaltens, nicht gerechtfertigt.

    Wird der homosexuelle Bürger durch die öffentliche Meinung diskreditiert, dann widerspricht das den sozialistischen Persönlichkeitswerten. […] Eine moralische Entscheidung für die geforderte Toleranz ist für das gegen Homophilie voreingenommene Individuum nicht leicht. Selbst rationale Einsicht wird nicht gleich zur emotionalen Duldung. Dazu trägt manchmal auch das besondere Gehabe bestimmter Homosexueller bei, das ein auf einseitigem Moralverständnis beruhendes Gefühl dafür, was man öffentlich tut, provoziert. So erklärlich dieses provokative Auftreten ist, wenn man es als Protest gegen Spießermoral versteht, so erschwert es doch den gesellschaftlichen Erziehungsprozeß zur Toleranz. Deshalb ist die gleichberechtigte Durchsetzung des Rechts auf Arbeit, auf gesellschaftliche Betätigung, auf sinnvolle Freizeitgestaltung, zu der auch die frei gewählte oder natürlich bedingte Art der Kommunikation der Homophilen untereinander und der Homophilen mit anderen Bürgern zählt. Das schließt gleichzeitig die Pflicht homophiler Bürger ein, ihre spezifischen Verhaltensweisen gegenüber anderen Individuen und Gruppen nicht herauszustellen und zu propagieren, sondern kulturvoll zu leben.

    • 1.  : Reiner Werner: Homosexualität. Herausforderungen an Wissen und Toleranz, Berlin 1987, S. 173f.
Arbeitsaufträge

Die Schüler_innen erarbeiten sich den Umgang mit Homosexualität in der DDR aus zwei bis vier verschiedenen Perspektiven. Dafür werden die Schüler_innen in Gruppen aufgeteilt und die Gruppen den verschiedenen Perspektiven zugeteilt. Bei der Betrachtung der einzelnen Perspektiven können die Schüler_innen der Frage nachgehen, inwiefern die Kategorie „Geschlecht“ eine Gesellschaft bestimmt. Die Betrachtung des ethischen Diskurses ermöglicht den Schüler_innen insbesondere, herauszuarbeiten, welche gesellschaftlichen Normen für den Umgang mit Geschlecht galten und wie Homosexuelle mit Hilfe dieser Normen ausgegrenzt wurden. Gleichzeitig können die Schüler_innen durch das Interpretieren und Vergleichen der einzelnen Quellen feststellen, dass auch diese gesellschaftlichen Normen Konstrukte darstellten, denen Annahmen zu Grunde lagen, die keineswegs zwangsläufig oder unveränderlich waren.

Die Schüler_innen halten die Ergebnisse auf Plakaten fest, um ihre jeweilige Perspektive den anderen Gruppen vorstellen zu können. Die Präsentation der Plakate geschieht dabei nicht im Plenum, sondern in einem Rundgang in Kleingruppen, um mög-lichst alle Schüler_innen zu aktivieren und zur Auseinandersetzung mit den Plakaten zu veranlassen.

Im sich anschließenden Stuhlkreis sollen die Schüler_innen ihre Argumente vorstellen und gemeinsam überlegen, wie sich die verschiedenen Perspektiven, Diskurse und Aktivitäten beeinflusst haben.

Aufgaben zu Q14 – Q16:

  1. Untersucht die vorliegenden Quellenausschnitte unter der Leitfrage, welche Forderun-gen in der (sexual-)ethischen Auseinandersetzung mit der Homosexualität zwischen den 1960er und 1980er Jahren erhoben worden sind. Die folgenden Fragen und Teilaufgaben die-nen dabei der Orientierung:

    a) Wie wurden Homosexualität und Homosexuelle in (sexual-)ethischen Diskursen bewertet? Lässt sich eine Entwicklungslinie erkennen? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen leitete man aus dieser Beurteilung ab?
    b) Welche kulturellen Vorstellungen und Leitbilder von „normaler“ Sexualität und  Männlichkeit liegen der Deutung der Homosexualität zugrunde?
    c) Achtet jeweils auf den Argumentationsgang und versucht anhand der getroffenen Aussagen abzuleiten, welche oft nicht verbalisierten Vorannahmen den Text maßgeblich bestimmen.

     

  2. Haltet Eure Ergebnisse auf einem Plakat fest! Falls Ihr eine eindeutige Entwicklungs-linie ausmachen könnt, versuche diese grafisch wiederzugeben!
  3. Präsentiert euer Plakat den übrigen Gruppen!
  4. Heftet eure Plakate an die Tafel! Bei der Präsentation der Plakate habt ihr sicherlich gemerkt, dass ihr in euren Gruppen den Umgang mit Homosexualität aus je einer anderen Perspektive erarbeitet habt. Bildet jetzt einen Stuhlkreis und diskutiert gemeinsam, in wie fern sich diese vier Auffassungen/ Diskurse beeinflusst haben!

    Hinweis: Beantwortet dafür zum Beispiel folgende Fragen:
    1) In wie fern stimmen die Entwicklung des medizinisch-ethischen Diskurses und die Entwicklung des Strafrechts überein?
    2) Welchen Einfluss hatten die Aktivitäten der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung in der DDR auf den dortigen Umgang mit Homosexualität?