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Unterricht Homosexualität aus medizinisch-psychiatrischer Sicht

Homosexualität wurde aus medizinischer Sicht als eine krankhafte Störung angesehen und entweder auf angeborene physische Eigenschaften wie eine Missbildung der Keimdrüsen zurückgeführt oder auf Einflüsse des Umfelds.

Dass Zuordnungen wie „heterosexuell“ und „homosexuell“ oder gar „natürliche Liebe“ und „unnatürliche Liebe“ eben keineswegs „natürlich“ oder selbstverständlich sind, sondern als Konstrukte der jeweiligen Gesellschaft angesehen werden müssen 1, kann bei der Betrachtung der Situation Homosexueller in der DDR anschaulich vermittelt werden: Die medizinischen Diskurse und die Bemühungen der Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR blieben nicht ohne Wirkung auf die gesellschaftliche Wahrnehmung der Homosexuellen und ihren Rechtsstatus. Bei der Betrachtung der Quellen können die Schüler_innen gut erfassen, dass auch vermeintlich objektive Aussagen über Homosexualität konstruiert sind.

Homosexualität wurde aus medizinischer Sicht als eine krankhafte Störung angesehen und entweder auf angeborene physische Eigenschaften wie eine Missbildung der Keimdrüsen zurückgeführt oder auf Einflüsse des Umfelds. 2 Bei letzterer Gruppe gingen die Mediziner davon aus, sie von ihrer „Krankheit“ „heilen“ zu können . Besonders die Feststellungen über die körperlichen Unterschiede zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen reizen zum Vergleich mit heutigen Ansichten zur Homosexualität und dazu, sie zu dekonstruieren oder sie auf ihre Absicht, die Festigung des Ideals der Ehe und der Familie 3, hin zu befragen. 4

  • 1. gl. Degele, Gender/Queer studies 84ff.
  • 2. vgl. Thinius, Erfahrungen schwuler Männer, S. 13-20.
  • 3. vgl. Bach, Geschlechtererziehung S. 255f.
  • 4.  vgl. Florian Mildenberger: Günter Dörner – Metamorphosen eines Wissenschaftlers, in: Wolfram Setz (Hrsg.): Homosexualität in der DDR. Materialien und Meinungen, Hamburg 2006, S. 237 – 278.
  • Q6 – Inhaltsverzeichnis aus: „Die Homosexualität beim Mann“
  • Q8 – Befragung der Probanden über eine mögliche Verführung
    Tabelle 44 und Abbildung 17 aus: Kurt Freund: Die Homosexualität beim Mann. Leipzig 1965, S. 183.
  • Q10 – Tabelle zur „heterosexuellen Umstimmung“ von Homosexuellen
    Tabelle 51 aus: Kurt Freund: Die Homosexualität beim Mann. Leipzig 1965, S. 261.

Q7: Ursachen von Homosexualität 1

Zahlreiche ältere Psychologen nahmen an, daß die Homosexualität meist die Folge exzessiver Masturbation sei […], durch die das Erwachsen des Interesses am anderen Geschlecht ge-hemmt sei. […] Viel weiter verbreitet ist die auch bereits seit langem vertretene Annahme, daß die Homosexualität durch Verführung – meist durch Erwachsene – in der Jugend bewirkt wird. Moll [341, S. 179], Bechtĕrev [43], Hemphill, Leitch und Stuart [218] und Imielinski [238a] schreiben diesem Faktor eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Homosexualität zu. Auch East [92, S. 39/40] und Giese [177] rechnen mit dieser Möglichkeit ganz allgemein. Binet [51] stellt sich die Entstehung der Homosexualität ähnlich vor wie die Entstehung des Fetischismus, d. h., er nimmt an, daß die in früher Kindheit durch einen „choc fortuit“, eine pathologische Assoziation, entsteht. Freud [134, S.19] nimmt an, daß einer sexuellen Reizung von Kindern durch gleichgeschlechtliche Erwachsene eine gewisse, wenn auch nicht große Rolle in der Ätiologie der Homosexualität zukommt

  • 1. Kurt Freund: Die Homosexualität beim Mann. Leipzig 1965, S. 181.

Die Schüler_innen erarbeiten sich den Umgang mit Homosexualität in der DDR aus zwei bis vier verschiedenen Perspektiven. Dafür werden die Schüler_innen in Gruppen aufgeteilt und die Gruppen den verschiedenen Perspektiven zugeteilt. Bei der Betrachtung der einzelnen Perspektiven können die Schüler_innen der Frage nachgehen, inwiefern die Kategorie „Geschlecht“ eine Gesellschaft bestimmt. Anhand der Quellen zur medizinisch-psychatrischen Perspektive können sich die Schüler_innen erarbeiten, was im Hinblick auf den Umgang mit Sexualität und Geschlecht als „normal“ angesehen wurde und wie Abweichungen von dieser Norm beurteilt wurden. Die Schüler_innen halten die Ergebnisse auf Plakaten fest, um ihre jeweilige Perspektive den anderen Gruppen vorstellen zu können. Die Präsentation der Plakate geschieht dabei nicht im Plenum, sondern in einem Rundgang in Kleingruppen, um möglichst alle Schüler_innen zu aktivieren und zur Auseinandersetzung mit den Plakaten zu veranlassen.

Im sich anschließenden Stuhlkreis sollen die Schüler_innen ihre Argumente vorstellen und gemeinsam überlegen, wie sich die verschiedenen Perspektiven, Diskurse und Aktivitäten beeinflusst haben.

Aufgaben zu Q6 –Q13:

  1. Untersucht die vorliegenden Quellenausschnitte unter der Leitfrage, welche Erklärungs- und Deutungsansätze in der medizinisch-psychiatrischen Auseinandersetzung mit der Homosexualität zwischen den 1960er und 1980er Jahren festzustellen sind. Die folgenden Fragen und Teilaufgaben dienen dabei der Orientierung:

    a) Wie wurden Homosexualität und Homosexuelle in medizinisch-psychiatrischen Diskursen bewertet? Lässt sich eine Entwicklungslinie erkennen (Kontinuitä-ten/Diskontinuitäten)? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen leitete man aus dieser Beurteilung ab?
    b) Stellen Sie Vermutungen darüber an, warum zahlreiche Wissenschaftler/-innen nach den Ursachen und Entstehungsbedingungen der Homosexualität suchten! Nennen Sie einige der Entstehungstheorien! Welche dieser Theorien wurden über den gesamten Untersuchungszeitraum bemüht – welche ggf. modifiziert und/oder verworfen?
    c) Welche kulturellen Vorstellungen und Leitbilder von „normaler“ Sexualität und Geschlecht liegen der sexualpathologischen Deutung der Homosexualität zugrunde?

  2. Haltet Eure Ergebnisse auf einem Plakat fest! Falls Ihr Veränderungen und Entwicklun-gen ausmachen könnt, versuche diese grafisch wiederzugeben!
  3. Präsentiert euer Plakat den übrigen Gruppen!
  4. Heftet eure Plakate an die Tafel! Bei der Präsentation der Plakate habt ihr sicherlich gemerkt, dass ihr in euren Gruppen den Umgang mit Homosexualität aus je einer anderen Perspektive erarbeitet habt. Bildet jetzt einen Stuhlkreis und diskutiert gemeinsam, in wie fern sich diese vier Auffassungen/ Diskurse beeinflusst haben!

    Hinweis: Beantwortet dafür zum Beispiel folgende Fragen:
    1) Inwiefern stimmen die Entwicklung des medizinisch-ethischen Diskurses und die Entwicklung des Strafrechts überein?
    2) Welchen Einfluss hatten die Aktivitäten der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung in der DDR auf den dortigen Umgang mit Homosexualität?


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Unterricht Homosexualität aus medizinisch-psychiatrischer Sicht
Abstract

Homosexualität wurde aus medizinischer Sicht als eine krankhafte Störung angesehen und entweder auf angeborene physische Eigenschaften wie eine Missbildung der Keimdrüsen zurückgeführt oder auf Einflüsse des Umfelds.

Hintergrund

Dass Zuordnungen wie „heterosexuell“ und „homosexuell“ oder gar „natürliche Liebe“ und „unnatürliche Liebe“ eben keineswegs „natürlich“ oder selbstverständlich sind, sondern als Konstrukte der jeweiligen Gesellschaft angesehen werden müssen 1, kann bei der Betrachtung der Situation Homosexueller in der DDR anschaulich vermittelt werden: Die medizinischen Diskurse und die Bemühungen der Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR blieben nicht ohne Wirkung auf die gesellschaftliche Wahrnehmung der Homosexuellen und ihren Rechtsstatus. Bei der Betrachtung der Quellen können die Schüler_innen gut erfassen, dass auch vermeintlich objektive Aussagen über Homosexualität konstruiert sind.

Homosexualität wurde aus medizinischer Sicht als eine krankhafte Störung angesehen und entweder auf angeborene physische Eigenschaften wie eine Missbildung der Keimdrüsen zurückgeführt oder auf Einflüsse des Umfelds. 2 Bei letzterer Gruppe gingen die Mediziner davon aus, sie von ihrer „Krankheit“ „heilen“ zu können . Besonders die Feststellungen über die körperlichen Unterschiede zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen reizen zum Vergleich mit heutigen Ansichten zur Homosexualität und dazu, sie zu dekonstruieren oder sie auf ihre Absicht, die Festigung des Ideals der Ehe und der Familie 3, hin zu befragen. 4

  • 1. gl. Degele, Gender/Queer studies 84ff.
  • 2. vgl. Thinius, Erfahrungen schwuler Männer, S. 13-20.
  • 3. vgl. Bach, Geschlechtererziehung S. 255f.
  • 4.  vgl. Florian Mildenberger: Günter Dörner – Metamorphosen eines Wissenschaftlers, in: Wolfram Setz (Hrsg.): Homosexualität in der DDR. Materialien und Meinungen, Hamburg 2006, S. 237 – 278.
Quellen / Material
  • Q6 – Inhaltsverzeichnis aus: „Die Homosexualität beim Mann“
  • Q8 – Befragung der Probanden über eine mögliche Verführung
    Tabelle 44 und Abbildung 17 aus: Kurt Freund: Die Homosexualität beim Mann. Leipzig 1965, S. 183.
  • Q10 – Tabelle zur „heterosexuellen Umstimmung“ von Homosexuellen
    Tabelle 51 aus: Kurt Freund: Die Homosexualität beim Mann. Leipzig 1965, S. 261.
  • Q7: Ursachen von Homosexualität 1

    Zahlreiche ältere Psychologen nahmen an, daß die Homosexualität meist die Folge exzessiver Masturbation sei […], durch die das Erwachsen des Interesses am anderen Geschlecht ge-hemmt sei. […] Viel weiter verbreitet ist die auch bereits seit langem vertretene Annahme, daß die Homosexualität durch Verführung – meist durch Erwachsene – in der Jugend bewirkt wird. Moll [341, S. 179], Bechtĕrev [43], Hemphill, Leitch und Stuart [218] und Imielinski [238a] schreiben diesem Faktor eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Homosexualität zu. Auch East [92, S. 39/40] und Giese [177] rechnen mit dieser Möglichkeit ganz allgemein. Binet [51] stellt sich die Entstehung der Homosexualität ähnlich vor wie die Entstehung des Fetischismus, d. h., er nimmt an, daß die in früher Kindheit durch einen „choc fortuit“, eine pathologische Assoziation, entsteht. Freud [134, S.19] nimmt an, daß einer sexuellen Reizung von Kindern durch gleichgeschlechtliche Erwachsene eine gewisse, wenn auch nicht große Rolle in der Ätiologie der Homosexualität zukommt

    • 1. Kurt Freund: Die Homosexualität beim Mann. Leipzig 1965, S. 181.
  • Q9: Versuch, Homosexuelle „heterosexuell umzustimmen“ 1

    Der therapeutische Versuch beruht hauptsächlich auf der bei Alkoholentwöhnungskuren gebräuchlichen Vögtlinschen Methode zur Hervorrufung bedingter Ekelreaktionen. Er wurde ausschließlich an männlichen Patienten vorgenommen (wobei keiner abgelehnt wurde), da nur sehr wenige homosexuelle Frauen zur Untersuchung kamen und keine von ihnen den Wunsch nach heterosexueller Umstimmung äußerte. Die Behandlung bestand darin, daß dem Patienten täglich – höchstens 24mal während einer Kur – in nüchternem Zustand Kaffee oder Tee mit Emetin vorgesetzt und 10 Minuten darauf eine emetische Mischung 2 subkutan verabreicht wurde, wonach so lange Diapositive von bekleideten und unbekleideten Männern exponiert wurden, als Erbrechen und Übelkeit anhielten. Dabei wurde ihnen auferlegt, sich diese Männer als Partner beim Geschlechtsverkehr vorzustellen.

    • 1.  Kurt Freund: Die Homosexualität beim Mann. Leipzig 1965, S. 258.
    • 2. Fünfmal das Vögtlinsche Emetin-Apomorphin-Gemisch und weiterhin nur noch Coffein mit Apomorphin.
  • Q11:  K. Bach über die Ursachen der Homosexualität 1

    Die Ursachen für die Entstehung der Homosexualität sind noch nicht exakt zu bestimmen. Mögliche Ursachen können sein:

    1. Hormonhaushalt verändert.
    2. Chromosomenabweichungen.
    3. Fehlerziehung in der Kindheit.

    So kann die dominierende Rolle der Mutter in der Familie, die herrschsüchtig, kalt und böse auf das Kind wirkt, den Jungen zum weichen, gefühlsbetonten Vater führen und schon früh eine unbewußte Neigung des Jungen zum eigenen Geschlecht anbahnen. Die Enttäuschung des Jungen durch die Mutter führt zur Abkehr von ihr, zum Haß auf sie und zur Hinwendung und Zuflucht zu einem Mann. Die Rolle, die bei den Jungen die Mutter spielt, kann bei den Mädchen der Vater spielen.
    4. Umwelteinflüsse (Verführung durch andere?).

    Je früher ein solcher Mensch seine Fehlhaltung bemerkt, desto erfolgreicher kann eine medi-zinische Behandlung sein. Viele Menschen machen im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Homosexuellen. Aber nur wenige Männer oder Frauen werden dadurch homosexuell.

    • 1.  Kurt Bach: Geschlechterziehung in der sozialistischen Oberschule. Berlin 1974, S. 255f.
  • Q12: Werner über Günter Dörners Ansicht, Homosexualität sei hormonell bedingt 1

    G. DÖRNER halte ich für einen sachkundigen Sexualforscher der Gegenwart. Freilich kenne ich aus der westlichen Fachpresse und Boulevardliteratur viele Angriffe gegen ihn. Er wolle „Homosexualität wegspritzen", er schlösse bedenkenlos von Tierexperimenten auf den Menschen, er leugne den sozialen Charakter des Phänomens. An dieser Stelle bin ich gezwungen, grundsätzlich folgendes zu vermerken: Es gäbe wohl keine wesentlichen Fortschritte auf humanwissenschaftlichem Gebiet, hätten nicht auch Tierexperimente zu tieferen Einsichten geführt. Und wenn ich Homosexualität konsequent als komplexes biosoziales Problem auffasse und gesellschaftlich einzuordnen versuche, gehören die überzeugenden biologischen/ endokrinologischen Erkenntnisse G. DÖRNERs dazu. Unter anderem sind sie es, die mich berechtigen, konsequent gegen die Diskriminierung der Homosexuellen aufzutreten, weil sich die Sexualstruktur bei der Mehrzahl der Betroffenen unabhängig von ihrer Willensbestimmungsfähigkeit herausbildet. Denjenigen, die behaupten, sie könnten sich beliebig homosexuell oder heterosexuell verhalten, kann ich nur dringend anraten, sich in diesem Falle vorhandener sexueller Ambivalenz für Heterosexualität und Familie zu entscheiden, - dies insbesondere im Blick auf die Abwicklung eines ganzen langen und doch so kurzen Lebens, das auch soziale Geborgenheit im Alter und Freude an Kindern und Kindeskindern einschließt. 2

    • 1.  Reiner Werner: Homosexualität. Herausforderungen an Wissen und Toleranz. Berlin 1987, S. 21.
    • 2.  Vgl. hierzu Mildenberger, Florian: Günter Dörner – Metamorphosen eines Wissenschaftlers. in: Wolfram Setz (Hg.): Homosexualität in der DDR. Materialien und Meinungen. Hamburg 2006, S. 237 – 278.
  • Q13:  Dörner über das Immunsystem Homosexueller 1

    […] Diese Befunde sprechen dafür, daß homosexuelle Männer eine veränderte Immunabwehr gegenüber Infekten aufweisen könnten. In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, daß in den letzten Jahren homosexuelle Männer weit häufiger an einem durch ein Virus (HTLV-Ill-Virus) verursachten erworbenen Immunschwächesyndrom (AIDS = acquired immunodefi-ciency syndrome) erkrankten als heterosexuelle Männer. Meines Erachtens dürfte diese Tatsache nicht allein durch eine erhöhte Promiskuität - denn selbst weibliche Prostituierte erkranken seltener, sondern möglicherweise auch durch eine geringere Resistenz des Immunsystems homosexueller Männer gegenüber diesem Virus zu erklären sein.

    • 1.  Reiner Werner: Homosexualität. Herausforderungen an Wissen und Toleranz. Berlin 1987, S. 179.
Arbeitsaufträge

Die Schüler_innen erarbeiten sich den Umgang mit Homosexualität in der DDR aus zwei bis vier verschiedenen Perspektiven. Dafür werden die Schüler_innen in Gruppen aufgeteilt und die Gruppen den verschiedenen Perspektiven zugeteilt. Bei der Betrachtung der einzelnen Perspektiven können die Schüler_innen der Frage nachgehen, inwiefern die Kategorie „Geschlecht“ eine Gesellschaft bestimmt. Anhand der Quellen zur medizinisch-psychatrischen Perspektive können sich die Schüler_innen erarbeiten, was im Hinblick auf den Umgang mit Sexualität und Geschlecht als „normal“ angesehen wurde und wie Abweichungen von dieser Norm beurteilt wurden. Die Schüler_innen halten die Ergebnisse auf Plakaten fest, um ihre jeweilige Perspektive den anderen Gruppen vorstellen zu können. Die Präsentation der Plakate geschieht dabei nicht im Plenum, sondern in einem Rundgang in Kleingruppen, um möglichst alle Schüler_innen zu aktivieren und zur Auseinandersetzung mit den Plakaten zu veranlassen.

Im sich anschließenden Stuhlkreis sollen die Schüler_innen ihre Argumente vorstellen und gemeinsam überlegen, wie sich die verschiedenen Perspektiven, Diskurse und Aktivitäten beeinflusst haben.

Aufgaben zu Q6 –Q13:

  1. Untersucht die vorliegenden Quellenausschnitte unter der Leitfrage, welche Erklärungs- und Deutungsansätze in der medizinisch-psychiatrischen Auseinandersetzung mit der Homosexualität zwischen den 1960er und 1980er Jahren festzustellen sind. Die folgenden Fragen und Teilaufgaben dienen dabei der Orientierung:

    a) Wie wurden Homosexualität und Homosexuelle in medizinisch-psychiatrischen Diskursen bewertet? Lässt sich eine Entwicklungslinie erkennen (Kontinuitä-ten/Diskontinuitäten)? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen leitete man aus dieser Beurteilung ab?
    b) Stellen Sie Vermutungen darüber an, warum zahlreiche Wissenschaftler/-innen nach den Ursachen und Entstehungsbedingungen der Homosexualität suchten! Nennen Sie einige der Entstehungstheorien! Welche dieser Theorien wurden über den gesamten Untersuchungszeitraum bemüht – welche ggf. modifiziert und/oder verworfen?
    c) Welche kulturellen Vorstellungen und Leitbilder von „normaler“ Sexualität und Geschlecht liegen der sexualpathologischen Deutung der Homosexualität zugrunde?

  2. Haltet Eure Ergebnisse auf einem Plakat fest! Falls Ihr Veränderungen und Entwicklun-gen ausmachen könnt, versuche diese grafisch wiederzugeben!
  3. Präsentiert euer Plakat den übrigen Gruppen!
  4. Heftet eure Plakate an die Tafel! Bei der Präsentation der Plakate habt ihr sicherlich gemerkt, dass ihr in euren Gruppen den Umgang mit Homosexualität aus je einer anderen Perspektive erarbeitet habt. Bildet jetzt einen Stuhlkreis und diskutiert gemeinsam, in wie fern sich diese vier Auffassungen/ Diskurse beeinflusst haben!

    Hinweis: Beantwortet dafür zum Beispiel folgende Fragen:
    1) Inwiefern stimmen die Entwicklung des medizinisch-ethischen Diskurses und die Entwicklung des Strafrechts überein?
    2) Welchen Einfluss hatten die Aktivitäten der schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung in der DDR auf den dortigen Umgang mit Homosexualität?