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Unterricht
Raus mit den Männern aus dem Reichstag

Im Mittelpunkt steht der Zusammenhang zwischen Macht und Geschlecht in den 20er Jahren.

Dieser Baustein ist als Einstieg für die Behandlung verschiedener Konzepte lesbischer Emanzipation gedacht. Im Zentrum steht zunächst der Zusammenhang zwischen Machtverhältnissen und der Kategorie Geschlecht. Aus dem Lied von Clair Waldoff [M1] sollen zunächst die normativen Geschlechterkonzpte der 20er Jahre herausgearbeitet werden. Hierbei handelt es sich um die Beschreibung einer männerdominierten Gesellschaft. Waldoff fordert die Emanzipation aus dieser Gesellschaftsordnung.

Für die Performance des Liedes tritt sie in (für die 20er Jahre) typisch männlich auf (z.B. durch Kleidung und Körperhaltung) [M2]. In diesem Zusammenhang soll diskutiert werden, ob die Annahme einer männlichen Rolle eine Emanzipation oder eine Beibehaltung der Geschlechtertrennung steht. Dies wird im folgenden Bausteine im Rahmen des Butch/Femme-Konzept vertieft.

M1: „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“

                                                  (1926 - für Claire Waldoff)

Es geht durch die ganze Historie
ein Ruf nach Emanzipation
vom Menschen bis zur Infusorie
überall will das Weib auf den Thron.
Vom Hawai-Neger bis zur Berliner Range
braust ein Ruf wie Donnerhall daher:
Was die Männer können, können wir schon lange    
und vielleicht `ne ganze Ecke mehr.

Raus mit den Männern aus dem Reichstag,
und raus mit den Männern aus dem Landtag,
und raus mit den Männern aus dem Herrenhaus,
wir machen draus ein Frauenhaus!
Raus mit den Männern aus dem Dasein,
und raus mit den Männern aus dem Hiersein,
und raus mit den Männern aus dem Dortsein,
sie müßten schon längst fort sein.
Ja: raus mit den Männern aus dem Bau,
und rein in die Dinger mit der Frau!

Es liegen in der Wiege und brüllen
die zukünft`gen Männer ganz klein.
Die Amme, die Meistrin im Stillen,
flößt die Kraft ihnen schluckweise ein.
Von der vielen Flößung aus Flasche, Brust und Becher,
ach wir dummen Frauen sind ja Schuld!
Werden sie immer stärker, werden sie immer frecher,
da verliert man schließlich die Geduld.

Raus mit den Männern, usw.

Die Männer haben alle Berufe,
sind Schutzmann und sind Philosoph,
sie klettern von Stufe zu Stufe,
in der Küche stehen wir und sind doof.
Sie bekommen Orden, wir bekommen Schwielen,
liebe Schwestern, es ist eine Schmach.
Ja sie trauen sich gar, die Politik zu spielen,
aber, na, die ist ja auch danach!

Es werden die Texte von „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ verteilt. Zunächst wird das Lied gehört und die Fragen dazu beantwortet:
1. Hört euch das Lied an und markiert im Text (siehe M1), welche vorherrschenden normativen Machtverhältnisse und Geschlechterhierarchien angesprochen werden.
2. Welche Intention könnte Claire Waldoff gehabt haben, ein solches Lied in den 1920ern zu performen?
3. Wie stellt ihr euch Claire Waldoff vor (Kleidung, Körperhaltung etc.)?

Anschließend wird ein Video eingespielt auf welchem Sigrid Grajek als Claire Waldoff performt. Zunächst arbeiten die SuS an folgenden Arbeitsaufträgen:
1. Wir sehen nun zusammen einen Auftritt von Sabine Grajek als Claire Waldoff. Beschreibt, wie Sabine Grajek Claire Waldoff dargestellt (Kleidung, Körperhaltung und Gestik, Mimik). Vergleicht ihre Erscheinung mit der zeitgenössischen Rolle der Frau und mit eurer Einschätzung.
2. Claire Waldoff war eine bekannte lesbische Chansonsängerin der 1920er Jahre.  Stellt Vermutungen an, inwiefern ihr Auftreten mit ihrer Sexualität zu tun haben könnte.

Die Ergebnisse werden nun in der Klasse gesammelt und diskutiert.
Die SuS erfassen, dass Claire Waldoff mit Ihrem Song die Emanzipation aus der männerdominierten Gesellschaft fordert. Ihnen fällt zudem auf, dass Sabine Grajek (als Claire Waldoff) typisch männlich gekleidet ist. Sie hat sich somit anders verhalten, als dies typisch war.


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Unterricht
Raus mit den Männern aus dem Reichstag
Abstract

Im Mittelpunkt steht der Zusammenhang zwischen Macht und Geschlecht in den 20er Jahren.

Hintergrund

Dieser Baustein ist als Einstieg für die Behandlung verschiedener Konzepte lesbischer Emanzipation gedacht. Im Zentrum steht zunächst der Zusammenhang zwischen Machtverhältnissen und der Kategorie Geschlecht. Aus dem Lied von Clair Waldoff [M1] sollen zunächst die normativen Geschlechterkonzpte der 20er Jahre herausgearbeitet werden. Hierbei handelt es sich um die Beschreibung einer männerdominierten Gesellschaft. Waldoff fordert die Emanzipation aus dieser Gesellschaftsordnung.

Für die Performance des Liedes tritt sie in (für die 20er Jahre) typisch männlich auf (z.B. durch Kleidung und Körperhaltung) [M2]. In diesem Zusammenhang soll diskutiert werden, ob die Annahme einer männlichen Rolle eine Emanzipation oder eine Beibehaltung der Geschlechtertrennung steht. Dies wird im folgenden Bausteine im Rahmen des Butch/Femme-Konzept vertieft.

Quellen / Material
  • M1: „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“

                                                      (1926 - für Claire Waldoff)

    Es geht durch die ganze Historie
    ein Ruf nach Emanzipation
    vom Menschen bis zur Infusorie
    überall will das Weib auf den Thron.
    Vom Hawai-Neger bis zur Berliner Range
    braust ein Ruf wie Donnerhall daher:
    Was die Männer können, können wir schon lange    
    und vielleicht `ne ganze Ecke mehr.

    Raus mit den Männern aus dem Reichstag,
    und raus mit den Männern aus dem Landtag,
    und raus mit den Männern aus dem Herrenhaus,
    wir machen draus ein Frauenhaus!
    Raus mit den Männern aus dem Dasein,
    und raus mit den Männern aus dem Hiersein,
    und raus mit den Männern aus dem Dortsein,
    sie müßten schon längst fort sein.
    Ja: raus mit den Männern aus dem Bau,
    und rein in die Dinger mit der Frau!

    Es liegen in der Wiege und brüllen
    die zukünft`gen Männer ganz klein.
    Die Amme, die Meistrin im Stillen,
    flößt die Kraft ihnen schluckweise ein.
    Von der vielen Flößung aus Flasche, Brust und Becher,
    ach wir dummen Frauen sind ja Schuld!
    Werden sie immer stärker, werden sie immer frecher,
    da verliert man schließlich die Geduld.

    Raus mit den Männern, usw.

    Die Männer haben alle Berufe,
    sind Schutzmann und sind Philosoph,
    sie klettern von Stufe zu Stufe,
    in der Küche stehen wir und sind doof.
    Sie bekommen Orden, wir bekommen Schwielen,
    liebe Schwestern, es ist eine Schmach.
    Ja sie trauen sich gar, die Politik zu spielen,
    aber, na, die ist ja auch danach!

  • M2: Sabine Grajek performt Claire Waldoff

    Sabine Grajek performt Claire Waldoff (2007)
     

Arbeitsaufträge

Es werden die Texte von „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ verteilt. Zunächst wird das Lied gehört und die Fragen dazu beantwortet:
1. Hört euch das Lied an und markiert im Text (siehe M1), welche vorherrschenden normativen Machtverhältnisse und Geschlechterhierarchien angesprochen werden.
2. Welche Intention könnte Claire Waldoff gehabt haben, ein solches Lied in den 1920ern zu performen?
3. Wie stellt ihr euch Claire Waldoff vor (Kleidung, Körperhaltung etc.)?

Anschließend wird ein Video eingespielt auf welchem Sigrid Grajek als Claire Waldoff performt. Zunächst arbeiten die SuS an folgenden Arbeitsaufträgen:
1. Wir sehen nun zusammen einen Auftritt von Sabine Grajek als Claire Waldoff. Beschreibt, wie Sabine Grajek Claire Waldoff dargestellt (Kleidung, Körperhaltung und Gestik, Mimik). Vergleicht ihre Erscheinung mit der zeitgenössischen Rolle der Frau und mit eurer Einschätzung.
2. Claire Waldoff war eine bekannte lesbische Chansonsängerin der 1920er Jahre.  Stellt Vermutungen an, inwiefern ihr Auftreten mit ihrer Sexualität zu tun haben könnte.

Die Ergebnisse werden nun in der Klasse gesammelt und diskutiert.
Die SuS erfassen, dass Claire Waldoff mit Ihrem Song die Emanzipation aus der männerdominierten Gesellschaft fordert. Ihnen fällt zudem auf, dass Sabine Grajek (als Claire Waldoff) typisch männlich gekleidet ist. Sie hat sich somit anders verhalten, als dies typisch war.