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Unterricht Thomas von Aquin über die Blutschande – Zum Schutz der Familie oder zum Schutz des Glaubens?

Die religiöse Bedeutung der Blutschlande als Bestandteil des Ehe-Sakraments in Thomas von Aquins Summa Theologica

Thomas von Aquin ist für seine philosophisch-theologischen Schriften bekannt. Zu seinen größten Verdiensten zählt die Vereinigung der antiken Philosophie Aristoteles mit den Inhalten der christlichen Glaubenslehre. Diese Verbindung ist die Voraussetzung zur natürlichen Gotteserkenntnis. Darunter ist zu verstehen, dass  sich die von Gott erschaffene Welt, im Leib und in der Seele eines Menschen vereint. Strebt ein Mensch nach Wissen und Erkenntnis, so muss er stets seinen Willen auf das Gute – auf den Glauben an Gott – richten. Demnach ist ein gutes Leben, ein nach Gottes Willen ausgerichtetes Leben. Dieses Prinzip liegt auch seinem wohl wichtigsten Werk, der Summa Theologica, zugrunde. Verfasst im Stil eines Lehrbuchs, sind in mehreren Artikeln Fragen formuliert, die sich mit besonderen Herausforderungen einer guten Lebensführung auseinandersetzen. Eine Herausforderung betrifft das Thema Blutschande, welches im Artikel 9 beschrieben und diskutiert wird.1

  • 1. Vgl. Schönberger, Rolf: Thomas von Aquin zur Einführung. Hamburg 2012, S. 14-35.
  • M3 - Der Stammbaum des Gregorius nach der Überlieferung von Hartmann von Aue (12.Jh.)
    Der Stammbaum des Gregorius nach der Überlieferung von Hartmann von Aue (12.Jh.)
  • M5 - Sicherungstabelle: Summa Theologica
    Sicherungstabelle: Summa Theologica

[Q 1]: Blutschande in: Summa Theologica. Masshaltung 2.Teil (1267 – 1273)
Artikel 9

Die Blutschande betrifft [...] den „Mißbrauch von Blutsverwandten oder Verschwägerten“. Also ist Blutschande eine besondere Art von Unkeuschheit. [...] Der geschlechtliche Umgang mit Blutsverwandten und Verschwägerten verträgt sich aber nicht mit den rechten Geschlechtsbeziehungen, und zwar aus folgendem Grund.
Der Mensch muss natürlicherweise seinen Eltern nahe abstammen. Dies gilt so sehr, daß es bei den Alten, wie Maximus Valerius berichtet, dem Sohn nicht erlaubt war, zugleich mit seinem Vater zu baden, damit sie sich gegenseitig nicht nackt sähen. Aus dem vorher Gesagten ist aber klar ersichtlich, daß vor allem die Geschlechtstätigkeiten mit einer der Ehrerbietung entgegenstehenden gewissen Schmach verbunden sind; deshalb empfinden die Menschen dabei auch Scham. Und so ist es ungeziemend, wenn sich solche Personen geschlechtliche begegnen. Dies scheint auch der Grund für jene Levitikusstelle zu sein, wo es heißt: „Es ist deine Mutter, blicke ihre Scham nicht an.“ [...]

Der Geschlechtsverkehr unter Verwandten würde zu einer vollkommenen Verderbnis der Keuschheit führen [...]. Und deshalb wird im besonderen Sinn der Mißbrauch derartiger Personen mit „Inzest“ bezeichnet. 

[Aquin, Thomas v.: Summa Theologica. Übers. v. Dominikanern und Benediktinern Deutschlands und Österreichs, (Bd. 22) Graz (u.a.) 1993, S. 97-101.]

(didaktische Aufbereitung mit Worterklärung/Glossar im PDF)

Didaktische Anmerkung:

Der oben bereitgestellte Abstract kann von der Lehrkraft als kurzes Impulsreferat zur thematischen Einführung verwendet werden. Ebenso bietet es sich an, den Abstract als kurzen Infotext den Schüler_innen während der Erarbeitung bereitzustellen.

Einstieg:

Für den Beginn dieser Unterrichtseinheit eignen sich das Mindmap (M 2) aus der ersten Unterrichtseinheit und ein kurzer Lehrer_innenvortrag zu Thomas von Aquin. Den Schüler_innen wird daran aufgezeigt, dass das "Konzept-Familie" zur Zeit des Mittelalters „anders“ definiert wurde. Die Lehrkraft verweist darauf, dass dieses „andere“ in einer quellenbezogenen Gruppenarbeit näher betrachtet wird.

Erarbeitung:

Der folgende Arbeitsschritt ist in Gruppenarbeit mit der Methode des Gruppenpuzzles durchzuführen. Im Vorfeld muss von der Lehrkraft die Klasse/der Kurs in drei Stammgruppen mit einer möglichst gleichen Anzahl von Schüler_innen aufgeteilt werden. Jede Stammgruppe erhält einen Quellenabschnitte zur Thematik "Blutschande" aus der Summa Theologica. Masshaltung 2.Teil  (Q1; Q2; Q3), die gruppenübergreifenden Arbeitsaufträge und den Sicherungsbogen M 5. Es bietet sich bei der Erarbeitung an, die einzelnen Stammgruppen in Kleingruppen einzuteilen, so dass jeder Quellenabschnitt von mindestens zwei Kleingruppen bearbeitet wird. Dies hat den Vorteil, dass sich jede_r Schüler_in aktiv an der Quellenanalyse beteiligen kann. 

Arbeitsaufträge:

  1. Lest den Quellenauszug. Beachtet dabei die Worterklärungen im Glossar!
  2. Gliedert den Inhalt der Quelle mit Teilüberschriften.
  3. Formuliert eine Definition zum Begriff Blutschande
  4. Erläutert gemäß der Definition Aquins Vorstellung von Familie.
  5. Wie begründet Aquin diese? Erarbeitet seine Begründung.

Die Kleingruppenarbeit gibt allen Schüler_innen einen kurzen Überblick zu dem Begriff "Blutschande" und seine konstituierende Bedeutung für soziale und sexuelle Rollenbiler (sex & gender) im mittelalterlichen Idealzustand des "Konzeptes-Familie".

Sind die Schüler_innnen mit der Erarbeitung in ihren Kleingruppen fertig, tauschen zunächst die Kleingruppen einer Stammgruppe untereinander ihre Ergebnisse aus. Dieser Austausch ermöglicht allen Kleingruppen auch als "Korrekturgruppe" zu fungieren, wodurch das Ergebnis der gesamten Stammgruppe qualitativ zunimmt. Ist die Sicherung in den Stammgruppen abgeschlossen, werden die Kleingruppen aus den Stammgruppen gemischt, so dass je drei Kleingruppen eine Expertengruppe bilden, in der die Ergebnisse zu allen Quellenabschnitten (Q 1, Q 2 & Q 3) im Dialog ausgetauscht und auf dem Sicherungsbogen M 5 ergänzt werden.

Im Plenum werden die Ergebnisse von allen Schüler_innen präsentiert, gegebenenfalls von der Lehrkraft korrigiert und gesichert.

Auswertung:

Damit die soziale und politische Wirkmächtigkeit der christlichen Religion (religion) dür das mittelalterliche Familienkonzept deutlich wird, diskutiert die Klasse/der Kurs vor dem Hintergrund der erarbeiteten Ergebnisse im Plenum die Leitfrage der Unterrichtseinheit Thomas von Aquin über die Blutschande – Zum Schutz der Familie oder zum Schutz des Glaubens?

Diskussionsfrage:
Thomas von Aquin über die Blutschande – Zum Schutz der Familie oder zum Schutz des Glaubens?

Die Schüler_innen erkennen, dass die scheinbar naturgegebenen Rollenbilder innerhalb einer Familie, wie Eltern und Kinder, durch die normsetzende Wirkung der christlichen Religion (religion) eingefordert werden. Diese äußern sich auf der innerfamiliären Ebene in heteronormativ geprägten Interaktionen und Repräsentationen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern (gender). Gleichermaßen sind Gefühle, wie Achtung, Scham und elterliche Liebe, nicht genuin natürliche Bedürfnisse einer Familie, sondern ein Ausdruck religiöser Normierung. Durch den Begriff der Blutschande werden diese sozialen und politischen Wirkmächtigkeiten erneut re-naturalisiert (sex) und als unnatürliches Familienverhältnis unter göttliche Strafe gestellt.

Sicherung:

Damit die Schüler_innen die Wirkmächtigkeit der christlichen Religion bei der Konstruktion von Familien im Mittelalter nachvollziehen können, werden sie dazu aufgefordert, sich in die Position Aquins hineinzuversetzen und über den inzestuösen Stammbaum des Gregorius (M 3) ein schriftliches Urteil anzufertigen.

Hausaufgabe:
Stellt dir vor, du bist Thomas von Aquin und du erhältst die Nachricht von einer Blutschande innerhalb einer Königsfamilie.
Wie würdest du über diese Familie urteilen?
Verwende dazu deine Aufzeichnungen aus der Unterrichtsstunde.


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Unterricht Thomas von Aquin über die Blutschande – Zum Schutz der Familie oder zum Schutz des Glaubens?
Abstract

Die religiöse Bedeutung der Blutschlande als Bestandteil des Ehe-Sakraments in Thomas von Aquins Summa Theologica

Hintergrund

Thomas von Aquin ist für seine philosophisch-theologischen Schriften bekannt. Zu seinen größten Verdiensten zählt die Vereinigung der antiken Philosophie Aristoteles mit den Inhalten der christlichen Glaubenslehre. Diese Verbindung ist die Voraussetzung zur natürlichen Gotteserkenntnis. Darunter ist zu verstehen, dass  sich die von Gott erschaffene Welt, im Leib und in der Seele eines Menschen vereint. Strebt ein Mensch nach Wissen und Erkenntnis, so muss er stets seinen Willen auf das Gute – auf den Glauben an Gott – richten. Demnach ist ein gutes Leben, ein nach Gottes Willen ausgerichtetes Leben. Dieses Prinzip liegt auch seinem wohl wichtigsten Werk, der Summa Theologica, zugrunde. Verfasst im Stil eines Lehrbuchs, sind in mehreren Artikeln Fragen formuliert, die sich mit besonderen Herausforderungen einer guten Lebensführung auseinandersetzen. Eine Herausforderung betrifft das Thema Blutschande, welches im Artikel 9 beschrieben und diskutiert wird.1

  • 1. Vgl. Schönberger, Rolf: Thomas von Aquin zur Einführung. Hamburg 2012, S. 14-35.
Quellen / Material
  • M3 - Der Stammbaum des Gregorius nach der Überlieferung von Hartmann von Aue (12.Jh.)
    Der Stammbaum des Gregorius nach der Überlieferung von Hartmann von Aue (12.Jh.)
  • M5 - Sicherungstabelle: Summa Theologica
    Sicherungstabelle: Summa Theologica
  • [Q 1]: Blutschande in: Summa Theologica. Masshaltung 2.Teil (1267 – 1273)
    Artikel 9

    Die Blutschande betrifft [...] den „Mißbrauch von Blutsverwandten oder Verschwägerten“. Also ist Blutschande eine besondere Art von Unkeuschheit. [...] Der geschlechtliche Umgang mit Blutsverwandten und Verschwägerten verträgt sich aber nicht mit den rechten Geschlechtsbeziehungen, und zwar aus folgendem Grund.
    Der Mensch muss natürlicherweise seinen Eltern nahe abstammen. Dies gilt so sehr, daß es bei den Alten, wie Maximus Valerius berichtet, dem Sohn nicht erlaubt war, zugleich mit seinem Vater zu baden, damit sie sich gegenseitig nicht nackt sähen. Aus dem vorher Gesagten ist aber klar ersichtlich, daß vor allem die Geschlechtstätigkeiten mit einer der Ehrerbietung entgegenstehenden gewissen Schmach verbunden sind; deshalb empfinden die Menschen dabei auch Scham. Und so ist es ungeziemend, wenn sich solche Personen geschlechtliche begegnen. Dies scheint auch der Grund für jene Levitikusstelle zu sein, wo es heißt: „Es ist deine Mutter, blicke ihre Scham nicht an.“ [...]

    Der Geschlechtsverkehr unter Verwandten würde zu einer vollkommenen Verderbnis der Keuschheit führen [...]. Und deshalb wird im besonderen Sinn der Mißbrauch derartiger Personen mit „Inzest“ bezeichnet. 

    [Aquin, Thomas v.: Summa Theologica. Übers. v. Dominikanern und Benediktinern Deutschlands und Österreichs, (Bd. 22) Graz (u.a.) 1993, S. 97-101.]

    (didaktische Aufbereitung mit Worterklärung/Glossar im PDF)

  • [Q 2] Blutschande in: Summa Theologica. Masshaltung 2.Teil (1267 – 1273)
    Artikel 9

    Die Blutschande betrifft den „Mißbrauch von Blutsverwandten oder Verschwägerten“. Also ist Blutschande eine besondere Art von Unkeuschheit. [...] Der geschlechtliche Umgang mit Blutsverwandten und Verschwägerten verträgt sich aber nicht mit den rechten Geschlechtsbeziehungen, und zwar aus folgendem Grund. [...]

    Die Blutsverwandten müssen notwendigerweise miteinander zusammenleben. Wenn nun die Leute nicht von geschlechtlichem Umgang abgehalten würden, so wäre ihnen zu viel Gelegenheit zum geschlechtlichen Zusammenfinden gegeben, und so würde die Unkeuschheit die Menschen allzusehr verweichlichen. Aus diesem Grund scheint das Verbot des Alten Testamentes vor allem jenen Personen gegolten zu haben, die notwendigerweise eine Lebensgemeinschaft miteinander bilden mußten. [...]

    Eine verschwägerte Person wird mit jemandem durch einen Blutsverwandten verbunden. Weil nun eines wegen des anderen ist, so gilt diesbezüglich der Unziemlichkeit das gleiche für Blutsverwandschaft wie für Schwägerschaft. 

    [Aquin, Thomas v.: Summa Theologica. Übers. v. Dominikanern und Benediktinern Deutschlands und Österreichs, (Bd. 22) Graz (u.a.) 1993, S. 97-101.]

    (didaktische Aufbereitung mit Worterklärung/Glossar im PDF)

  • [Q 3] Blutschande in: Summa Theologica. Masshaltung 2.Teil (1267 – 1273
    Artikel 9

    Die Blutschande betrifft den „Mißbrauch von Blutsverwandten oder Verschwägerten“. Also ist Blutschande eine besondere Art von Unkeuschheit. [...] Der geschlechtliche Umgang mit Blutsverwandten und Verschwägerten verträgt sich aber nicht mit den rechten Geschlechtsbeziehungen, und zwar aus folgendem Grund. [...]

    Wenn nämlich der Mann eine auswärtige Frau nimmt, dann werden mit ihm, wie wenn sie seine Blutsverwandten wären, in besonderer Freundschaft alle Verwandten der Gattin verbunden. [Dadurch wird der Vermehrung von Freundschaften gewehrt]. Darum sagt Augustinus: „Mit vollem Recht wurde auf die Liebe Rücksicht genommen, um Menschen im Hinblick auf den Nutzen und die Ehrbarkeit der Eintracht durch verschiedene Verwandtschaftsgrade zu verknüpfen. Es sollten sich eben nicht mehrere Verwandtschaftsverhältnisse in einem Menschen vereinen, sondern jedes der Verhältnisse sollte sich auf einzelne verteilen.“ [...]

    Bei der Geschlechtsvermischung verwandter Personen gibt es etwas, was in sich ungeziemend ist und der natürlichen Vernunft widerspricht, wie etwa die Geschlechtsverbindung zwischen Eltern und Kindern, die an sich und unmittelbar miteinander verwandt sind. Denn die Kinder müssen den Eltern gegenüber von Natur aus Ehrfurcht haben. [...]

    [Aquin, Thomas v.: Summa Theologica. Übers. v. Dominikanern und Benediktinern Deutschlands und Österreichs, (Bd. 22) Graz (u.a.) 1993, S. 97-101.]

    (didaktische Aufbereitung mit Worterklärung/Glossar im PDF)

Arbeitsaufträge

Didaktische Anmerkung:

Der oben bereitgestellte Abstract kann von der Lehrkraft als kurzes Impulsreferat zur thematischen Einführung verwendet werden. Ebenso bietet es sich an, den Abstract als kurzen Infotext den Schüler_innen während der Erarbeitung bereitzustellen.

Einstieg:

Für den Beginn dieser Unterrichtseinheit eignen sich das Mindmap (M 2) aus der ersten Unterrichtseinheit und ein kurzer Lehrer_innenvortrag zu Thomas von Aquin. Den Schüler_innen wird daran aufgezeigt, dass das "Konzept-Familie" zur Zeit des Mittelalters „anders“ definiert wurde. Die Lehrkraft verweist darauf, dass dieses „andere“ in einer quellenbezogenen Gruppenarbeit näher betrachtet wird.

Erarbeitung:

Der folgende Arbeitsschritt ist in Gruppenarbeit mit der Methode des Gruppenpuzzles durchzuführen. Im Vorfeld muss von der Lehrkraft die Klasse/der Kurs in drei Stammgruppen mit einer möglichst gleichen Anzahl von Schüler_innen aufgeteilt werden. Jede Stammgruppe erhält einen Quellenabschnitte zur Thematik "Blutschande" aus der Summa Theologica. Masshaltung 2.Teil  (Q1; Q2; Q3), die gruppenübergreifenden Arbeitsaufträge und den Sicherungsbogen M 5. Es bietet sich bei der Erarbeitung an, die einzelnen Stammgruppen in Kleingruppen einzuteilen, so dass jeder Quellenabschnitt von mindestens zwei Kleingruppen bearbeitet wird. Dies hat den Vorteil, dass sich jede_r Schüler_in aktiv an der Quellenanalyse beteiligen kann. 

Arbeitsaufträge:

  1. Lest den Quellenauszug. Beachtet dabei die Worterklärungen im Glossar!
  2. Gliedert den Inhalt der Quelle mit Teilüberschriften.
  3. Formuliert eine Definition zum Begriff Blutschande
  4. Erläutert gemäß der Definition Aquins Vorstellung von Familie.
  5. Wie begründet Aquin diese? Erarbeitet seine Begründung.

Die Kleingruppenarbeit gibt allen Schüler_innen einen kurzen Überblick zu dem Begriff "Blutschande" und seine konstituierende Bedeutung für soziale und sexuelle Rollenbiler (sex & gender) im mittelalterlichen Idealzustand des "Konzeptes-Familie".

Sind die Schüler_innnen mit der Erarbeitung in ihren Kleingruppen fertig, tauschen zunächst die Kleingruppen einer Stammgruppe untereinander ihre Ergebnisse aus. Dieser Austausch ermöglicht allen Kleingruppen auch als "Korrekturgruppe" zu fungieren, wodurch das Ergebnis der gesamten Stammgruppe qualitativ zunimmt. Ist die Sicherung in den Stammgruppen abgeschlossen, werden die Kleingruppen aus den Stammgruppen gemischt, so dass je drei Kleingruppen eine Expertengruppe bilden, in der die Ergebnisse zu allen Quellenabschnitten (Q 1, Q 2 & Q 3) im Dialog ausgetauscht und auf dem Sicherungsbogen M 5 ergänzt werden.

Im Plenum werden die Ergebnisse von allen Schüler_innen präsentiert, gegebenenfalls von der Lehrkraft korrigiert und gesichert.

Auswertung:

Damit die soziale und politische Wirkmächtigkeit der christlichen Religion (religion) dür das mittelalterliche Familienkonzept deutlich wird, diskutiert die Klasse/der Kurs vor dem Hintergrund der erarbeiteten Ergebnisse im Plenum die Leitfrage der Unterrichtseinheit Thomas von Aquin über die Blutschande – Zum Schutz der Familie oder zum Schutz des Glaubens?

Diskussionsfrage:
Thomas von Aquin über die Blutschande – Zum Schutz der Familie oder zum Schutz des Glaubens?

Die Schüler_innen erkennen, dass die scheinbar naturgegebenen Rollenbilder innerhalb einer Familie, wie Eltern und Kinder, durch die normsetzende Wirkung der christlichen Religion (religion) eingefordert werden. Diese äußern sich auf der innerfamiliären Ebene in heteronormativ geprägten Interaktionen und Repräsentationen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern (gender). Gleichermaßen sind Gefühle, wie Achtung, Scham und elterliche Liebe, nicht genuin natürliche Bedürfnisse einer Familie, sondern ein Ausdruck religiöser Normierung. Durch den Begriff der Blutschande werden diese sozialen und politischen Wirkmächtigkeiten erneut re-naturalisiert (sex) und als unnatürliches Familienverhältnis unter göttliche Strafe gestellt.

Sicherung:

Damit die Schüler_innen die Wirkmächtigkeit der christlichen Religion bei der Konstruktion von Familien im Mittelalter nachvollziehen können, werden sie dazu aufgefordert, sich in die Position Aquins hineinzuversetzen und über den inzestuösen Stammbaum des Gregorius (M 3) ein schriftliches Urteil anzufertigen.

Hausaufgabe:
Stellt dir vor, du bist Thomas von Aquin und du erhältst die Nachricht von einer Blutschande innerhalb einer Königsfamilie.
Wie würdest du über diese Familie urteilen?
Verwende dazu deine Aufzeichnungen aus der Unterrichtsstunde.